Sehr geehrter Herr Graf, es ist Ihnen hoch anzurechnen, dass Sie sich in dieses Ärzteforum mit Ihrem Posting "trauen".
Trauen sollten Sie jedoch nicht dem, was Ulla Schmidt und andere Möchte-Gern-Weltverbesserer Ihnen erzählen, das tun Sie doch bei anderen Themen auch nicht, oder?
Zwar steht überall, dass die Ärzten doch 2,5 Milliarden Euro mehr erhalten. Leider kommt davon aber nichts an. Es fängt schon damit an, dass die 2,5 Mill. auf 2007 berechnet sind. Minus Inflation bis 2009 ist das schon deutlich weniger. Nicht mal uns Ärzten ist so richtig klar, wo das Geld bleibt. In unseren Taschen jedenfalls nicht.
Es ist in der Tat so, dass Ärzte deutliche Einkommenseinbußen in den letzten 20 Jahren hinnehmen mussten. Es wurde rationalisiert, wo es ging. Die Praxen werden mit Vorgaben zugepflastert, das kostet alles Geld, verdient wird es damit allerdings nicht. Und wenn Sie fleißig arbeiten, dann bekommen Sie dennoch nicht mehr Geld. Ist das gerecht? Wenn Sie nicht mindestens 1000 Patienten pro Arzt und Quartal durchschleusen, dann können Sie definitiv nicht davon leben. Da bleibt nicht viel Zeit für die individuellen Begehrlichkeiten manch gekränkter Seele.
Wahrscheinlich ist das alles so unglaublich, dass Sie als Nicht-Arzt glauben, das könne nicht stimmen. Fragen Sie mal Ihren Hausarzt!!
Es ist leider so!!!
Glauben Sie bitte nicht, was die Politik so schreibt. Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Auch wir Ärzte haben geglaubt, dass wir wenigstens mal einer tatsächliche Steigerung erhalten, sicher nicht um den Prozentsatz, den Frau Schmidt angibt, aber immerhin. Nun kommt aber ein Minus raus. Da würden Sie sich auch betrogen vorkommen.
Es wird übrigens nicht gestreikt, um die Patienten zu bestrafen, wie Ulla es gerne darstellt ( da sind Sie ihr schon wieder auf den Leim gegangen), sondern um die Öffentlichkeit mal aufmerksam zu machen. Wo sind denn unsere Patienten? Wir brauchen Ihre Solidarität. Stattdessen sieht nur jeder, dass er noch das letzte Krankengymnastik.-und Massage-Rezept aus dem Dr. heraussaugt. "Das sagt der doch nur so, dass er das unter Umständen aus seinem Einkommen erstatten muss, wenn er in Regreß genommen wird, der verdient bestimmt mehr, wenn er mir keins gibt." Nein, es ist so.
Die bundesdeutsche Politik arbeitet immer so, dass ein Keil irgendwo hineingeschoben wird, damit keine Solidarität entsteht. Vorzugsweise mit Missgunst und Neid. Vor nichts hat die Politik so sehr Angst, als dass die Patienten ( das sind nämlich fast alle Bürger) aufbegehren.
Solidarisieren Sie sich mit uns, dann könnte vielleicht noch etwas besser werden!
Man sollte aber streiken! Nicht bestreiken sollte man eigentlich die Patienten. Aber alle haben Ulla gewählt. Wenn der geneigte Ula-Wähler es sich an Sonn-und Feiertagen in seinem Lehnstuhl bequem macht, müssen wir für Honorare, über die eine Putzfrau lacht, arbeiten. Also nicht die Patienten, sondern die Ulla-Wähler bestreiken. Wer Ulla wählt, soll auch Ulla kriegen. Ich werde jedenfalls an einem möglichen Streik gegen die Ulla-Wähler teilnehmen.
Zitat=DGGG: >Nicht mal uns Ärzten ist so richtig klar, wo das Geld bleibt. In unseren Taschen jedenfalls nicht.<
Sehr geehrte Frau Dr. med. DGGG,
sind Sie sicher, dass das Geld nicht doch in irgendwelchen Ärztetaschen landet? Vielleicht nicht in Ihren schleswig-holsteinischen Taschen, aber zum Beispiel vielleicht in einigen sächsichen oder thüringischen Taschen?
Irgendwo müssen die 28 Milliarden, die im Jahr 2009 für die ambulante ärztliche Versorgung von Kassenpatienten zur Verfügung stehen, schließlich ankommen. Falls sie nicht bei den Ärzten ankämen, die die ambulante Versorgung von Kassenpatienten durchführen, wo sollten sie dann ankommen? Wittern Sie da etwa einen ganz großen Betrug?
Zitat=DGGG: >Solidarisieren Sie sich mit uns, dann könnte vielleicht noch etwas besser werden!<
Wie sollte denn die Solidarisierung der Kassenpatienten mit den Kassenärzten ganz konkret aussehen? An welche Maßnahmen - außer dem Wählen der FDP bei der nächsten Bundestagswahl - denken Sie da?
Nach den Klinikärzten gehen nun auch die Niedergelassenen auf die Straße: Kassenärzte protestieren gegen Honorarverluste, Arzneiregresse, Bürokratie und politische Gängelung.