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am Samstag, 31. Juli 2010 um 16:17

Akupunktur frisst unser Geld in der Basisversorgung

Solange wir Orthopäden in BW für die Basisversorgung unserer Patienten für das ganze Quartal 25,47 € zur Verfügung haben und nochmals 10,93 € (=42,9 %) für die Akupunktur dazu erhalten können, für jämmerliche zusätzliche 6,67 € (= 26,2 %) jedoch die gesamte Rö-Diagnostik eines ganzen Quartales abdecken müssen (bei weit höheren Investitionen, Sachkosten, Personalanforderung, Quali-Sicherung, Film- und Rö-Konstanzprüfungen, etc.), ist diese ambulante medizinische Welt einfach nicht in Ordnung. Ein Verfahren, welches in Studien keinen durchgehend reproduzierbaren Effekt aufweist und nach meinen langjährigen Erfahrungen im Wesentlichen durch einen meist nur vorübergehenden Zuwendungseffekt geprägt ist, kann und darf einfach nicht die finanziellen Ressourcen unserer Basisversorgung auffressen. Der aktuelle Beitrag im Ärzteblatt sollte den Herren in der Gebührenkommission die Ohren klingeln lassen!

Dr. med. Rolf Ebel, Orthopäde, 73312 Geislingen
am Dienstag, 10. August 2010 um 21:15

Akupunktur frisst unser Geld in der Basisversorgung

Diesen Artike kann ich nur voll und ganz zustimmen. Auch ich halte es für einen großen und teuren Fehler, dass die Akupunktur eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse geworden ist. Denn es muss doch langsam bekannt sein, dass die Akupunktur ein reiner Placeboeffet ist. Aber die Akupunkturschulen haben sich erfolgreich durchgesetzt und können so ihre weit überteuerten Akupunkturkurse verkaufen. Und das in Zeiten der Geldknappheit.
am Dienstag, 10. August 2010 um 22:31
geändert am 11.08.2010 12:25:46

Mich erstaunt wie gering die Ahnung der Kollegen hier ist!!!

Diesen Artike kann ich nur voll und ganz zustimmen. Auch ich halte es für einen großen und teuren Fehler, dass die Akupunktur eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse geworden ist. Denn es muss doch langsam bekannt sein, dass die Akupunktur ein reiner Placeboeffet ist. Aber die Akupunkturschulen haben sich erfolgreich durchgesetzt und können so ihre weit überteuerten Akupunkturkurse verkaufen. Und das in Zeiten der Geldknappheit.
Ohne eine Diskussion über Wirkung der Akupunktur und wie sie in Deutschland abläuft und abgerechnet wird anfangen zu wollen. Liebe Kollegen ihr seid extrem naiv. Den Krankenkassen geht es mit nichten um einen Effekt oder Nichteffekt. Es geht rein um die Tatsache Akupunkturleistungen zum Fielmann Tarif ( Null-Tarif) in die Krankenversicherung eingeführt zu haben ( gleiches geschah ja mit der Neuraltherapie). So kann man immer sagen, man finanziert auch Alternativmedizin, bezahlt aber letztlich nichts. Kollegen, die Akupunktur seriös praktizieren, werden wohl kaum mit den paar Euro auskommen. Da kann man nur eine Billigstnadel irgendwo reinstecken und dann hat man sicher den gleichen Effekt wie eine Spritze Dexa/Diclo im oder weniger, da man ja nicht einmal ein Medikament zum Einsatz bringt. Insofern kann ich Ihre Vorderung sehr gut nachvollziehen. Allerdings wird es keinen Cent in die Versorgung spülen.
Ausserdem so gross sind die Kosten nicht im Vergleich zur Vorsorgekoloskopie und der Mammographie, deren Wirkung und Effektivität mit nichten belegt sind. Bei letzterer ging es auch darum verdiente Kollegen aus dem System zu drängen.
am Sonntag, 15. August 2010 um 18:44
geändert am 15.08.2010 18:50:46

Akupunktur frisst in der Tat wesentliche Teile der Kosten/ Honorare der Basisversorgung

Akupunktur sollte keine Kassenleistung mehr sein. Der Vorteil der Akupunktur liegt auf der Hand. Der Ausstattungsbedarf ist gering, die Verdienstmöglichkeiten sind derzeit in Relation zur wissenschaftlich fundierten Basisversorgung geradezu großartig. Ein Verfahren dessen Wirkung gerade mal Placeboniveau hat, - nicht wesentlich besser als Scheinakupunktur- kann man kaum rational mit dem Nutzen von Vorsorgekoloskopien vergleichen.

Der Artikel im Ärzteblatt beleuchtet aus meiner Sicht sehr rational die Wurzeln der europäischen Akupunktur. Dass die chinesischen Wurzeln eindeutiger wären ist bisher reine Spekulation. In einer von I.F. Tao, 2007 publizierten Dissertation wird nachgewiesen, dass Akupunkturpunkte zu keiner Zeit eindeutig definiert waren. Zudem sind die Lokalisationsmethoden, die das reproduzierbare Auffinden von Akupunkturpunkten ermöglichen sollen, weder historisch noch praktisch betrachtet klar definiert, und es gibt hier bis heute keine Standardisierung. (Siehe Der Schmerz 4 · 2009, 341). Die Ausgaben im Gesundheitswesen bleiben gedeckelt. Solange Akupunkturbehandlungen auf die Bezahlung wissenschaftlich fundierter Diagnostik und Therapien einen derart deletären Effekt haben, wie ihn der Kollege Ebel oben darstellt, schadet Akupunktur in der Krankenversorgung deutlich mehr als sie nützt. Kollegen, die rational und nach wissenschaftlichen Grundsätzen arbeiten, können zum Teil kaum mehr die Kosten erwirtschaften. Akupunkturbehandlungen auf Krankenschein lassen sich aus meiner Sicht nicht rechtfertigen.

Nochmals Zahlen zur Rechnung des Kollegen Ebel: EBM 30790 Eingangsdiagnostik und Abschlussuntersuchung zur Behandlung mittels Körperakupunktur 1060 Punkte = 46,64 € (1.060 x 4,4 Cent),, EBM 30791 Durchführung einer Körperakupunktur 480 Punkte = 21,12 € (480 x 4,4 Cent) pro Sitzung. Der Kollege Ebel gibt für Basisversorgung seiner Patienten für das ganze Quartal 25,47 € an. Heißt zu deutsch wenn ich zu ihm in Behandlung ginge und er keine Akupunktur und keine der unten genannten Leistungen anzubieten hat, könnte er für das ganze Quartal im Durchschnitt seiner Patienten 36,41 € abrechnen. Kann er Akupunktur anbieten kann er bei einem Patienten z.B. 46,64 € Eingangsdiagnostik + 6 x 21,12 € abrechnen, so sich dieser zur Akupunktur überreden lässt. Durch die Akupunktur steigt sein Budget pro Patient von 36,41 € auf 47,34 €. In der KV BW sind jedenfalls die Teilbudgets der Orthopäden so, dass Akupunktur alleine so viele am abrechnungsfähigen Budget ausmacht, wie die Behandlung des
diabetischen Fußes, Chirotherapie, Osteodensitometrie, Psychosomatische Grundversorgung, Übende Verfahren, Sonographie I und Teilradiologie zusammen. Der Orthopäde kann somit auf jede Qualifikation und jedes Angebot - und jede Investition, Personal..., besser verzichten als auf Akupunktur. Wir sollten uns genau überlegen ob wir wirklich so eine Medizin wollen. (abrufbar unter http://www.kvbawue.de/uploads/tx_userkvbwpdfdownload/03_Honorarsystematik_2010_03.pdf )

Der Satz: "man finanziert auch Alternativmedizin, bezahlt aber letztlich nichts". ist falsch. Die Kassen bekommen die Akupunktur quasi kostenlos. Die Zeche bezahlen aber die Patienten ebenso wie wir Ärzte. Es geht nicht um ein paar Euro, es geht um wesentliche Teile des ärztlichen Honorars und wesentliche Teile der Gesundheitsausgaben insgesamt.
Nicht umsonst gibt es in Deutschland mehr Akupunkteure pro Einwohner als in China, nicht umsonst ist das Verhältnis Akupunkteure zu Ärzten die nach den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Medizin arbeiten in China für die Akupunkteure ungünstiger als bei uns.
am Sonntag, 15. August 2010 um 19:39

volle zustimmung!

den schwurbel soll sich jeder privat selbst zahlen!
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Akupunktur: Spekulative Lehrinhalte?

Akupunktur: Spekulative Lehrinhalte?

Der „Vater der westlichen Akupunktur“ ein Scharlatan? Der Franzose George Soulié de Morant hat vermutlich nie in China eine Nadel gestochen oder eine eine Nadelung gesehen. Von rationalen Lehrinhalten kann so keine Rede sein. Die Einführung der „Zusatzbezeichnung Akupunktur“ war voreilig. Sie zementierte spekulative Lehrinhalte, die vielfach dem Aberglauben näher sind als der Wissenschaft.

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