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am Sonntag, 13. November 2011 um 21:04
 

Erfahrungsbericht Ruppiner Kliniken (RKN) 11.11.2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Zeit vom 15.11.2009 bis 31.10.2011 war ich im Rahmen eines für 2
Jahre befristeten Weiterbildungsvertrages für die Thoraxchirurgie bei den
Ruppiner Kliniken (RKN) beschäftigt.

Ich habe im Rahmen der Jobmesse in Österreich im Juni 2009 die RKN
kennengelernt. Da mir das Weiterbildungskonzept der RKN als interessant
erschien und ich berufliches Vorankommen garantiert bekommen hatte,
entschied ich mich, meine Weiterbildung dort zu absolvieren und fing im
November 2009 als Assistenzarzt in der Klinik für Thoraxchirurgie an.
Ich wurde sofort ins Team integriert und genoß seitdem eine fundierte und
hervorragende Betreuung und Weiterbildung.
Da bereits bei der Anstellung eine Rotation auch in andere Abteilungen der
RKN vereinbart war, rotierte ich freiwillig in andere Kliniken wie die
Intensivmedizin, Visceralchirurgie sowie Unfallchirurgie und Orthopädie.
Des Weiteren wurde ich durch kontinuierliche interne sowie externe Weiter-
und Fortbildungen unterstützt. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen
ganz herzlich bedanken, die mich hierbei unterstützten.

Aufgrund meiner Rekrutierung wurde ich gebeten, die RKN im Folgejahr bei
der Jobmesse in Österreich 2010 zu vertreten. Überzeugt habe ich andere
KollegInnen für die RKN rekrutiert, vor allem im Rahmen dieser Jobmesse,
aber auch bei meinen privaten Kontakten. Wir konnten bei der Jobmesse
2010 aufgrund unseren offenen Auftretens, beispielsweise aufgrund direkter
Ansprache der StudentInnen sowie durch die Argumentation einer guten
Weiterbildungsmöglichkeit und des guten Umgangs mit den Mitarbeitern die
RKN würdig vertreten und Nachwuchs akquirieren.
Ich teilte meine Verbesserungsvorschläge sowie produktive Kritik direkt der
Klinikumsleitung mit. Viele Ideen wurden implementiert, vor allem das
Konzept für die folgenden Jobmessen in Österreich.

Besonders lagen mir zwei Themen am Herzen:
zum einen die schlechte Bahnverbindung Berlin-Neuruppin, und zum anderen
die niedrigere Bezahlung im Vergleich zu anderen Krankenhäusern in
Brandenburg.
Während wir bei der Bahnverbindung keinen Einfluß hatten, könnten wir
junge KollegInnen mit guter Bezahlung gewinnen.
Durch die Klinikleitung wurde zwischenzeitlich die Möglichkeit einer
klinikorganisierten Fahrgemeinschaft sowie einige andere Konzepte
diskutiert.
Allerdings ist eine von der Personalabteilung ins Leben gerufene Idee mit
der Gewährung von Fahrtkostenzuschüssen auf Grund falscher steuerlicher
Deklaration nach hinten los gegangen, da sich dadurch Rückforderungen von
den jeweils zuständigen Finanzämtern ergaben.
Wir informierten die Klinikleitung hierüber und erfuhren, dass die
Personalleitung bereits hiervon wusste. Auf Anfrage wurde nur darauf
hingewiesen, jeder solle sich selbst um diese Information kümmern. Es
wurde bewusst mit der Situation kalkuliert, dass die Mitarbeiter am
Jahresende alles wieder zurückzahlen zu müssen. Eine versprochene
Umdeklarierung ist nie erfolgt.

Trotz dessen rekrutierte ich weiter überzeugt für die RKN weitere
KollegInnen.

Im Dienstplan für Oktober 2011 wurden mir entgegen der sonst üblichen
Praxis keine Dienste zugeteilt; alle dachten, man habe mich vergessen.
Gleichzeitig wurde ein Antrag auf eine Fortbildung nicht genehmigt; da
wurde ich skeptisch.

In den Wochen zuvor hatte sich abgezeichnet, dass eine Kollegin schwanger
geworden ist und ein Kollege gekündigt wurde sowie ein anderer Kollege
krank ist und eine Kollegin ihre Rotation auf der Intensivstation begonnen
hat, so dass es im Dienstplan für Oktober insgesamt 19 (!) Dienste
offenbleiben würden. Aus Kollegialität und Pflichtbewusstsein übernahm ich
sofort den größten Teil der offenen Dienste.

Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich davon ausgegangen, dass mein an sich zum
31.10.2011 befristeter Vertrag verlängert werden würde. Insbesondere da
gegenüber dem Landesamt für Versorgung und Soziales, Dez. Berufsrecht,
bereits im Oktober 2009 mitgeteilt worden war, dass es sich bei meiner
Einstellung um einen vollen Weiterbildungsvertrag von 5 Jahren für die
Thoraxchirurgie handeln würde.
Weder von der Geschäftsführung oder den verantwortlichen Chefärzten oder
der Klinikleitung gab es Anzeichen, dass eine Weiterbeschäftigung nicht
erfolgen würde, insbesondere auch auf Grund der Tatsache, dass zu wenig
Personal vorhanden war.

Am 29.09.2011, also 4 Wochen vor Ablauf meines 2-jährigen Vertrages,
erfolgte ein Personalgespräch mit der Personalleiterin, dem stellv. klinischen
Geschäftsführer sowie der Betriebsrätin.
Dabei sollte über die Vertragsverlängerung sowie die weitere Rotation in der
Gefäßchirurgie gesprochen werden.
Mir wurde aber durch die Personalleiterin lediglich mitgeteilt, dass mein
Vertrag nicht verlängert werden kann, da der Notstand in allen chirurgischen
Kliniken nicht mehr nachzuweisen wäre (im November wurde eine Kollegin
von der Unfallchirurgie in die Thoraxchirurgie für 4 Wochen verlegt); eine
schriftliche Bestätigung für diese Begründung wollte die Personalleiterin nicht
erstellen.

Diese Entscheidung wurde ohne Absprache mit meinem eigentlichen
Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie, dem kaufmännischen Geschäftsführer
und dem klinischen Geschäftsführer getroffen!
Wie es sich herausgestellt hat, sei die Entscheidung schon im August
gefallen - wenn nicht früher -, weshalb ich keine Dienste zugeteilt bekommen
habe.
Diese verzögerte Mitteilung hatte nicht nur Auswirkungen auf meine weitere
berufliche Tätigkeit, sondern auch Konsequenzen für den Aufenthalt meiner
Familie in Deutschland, wovon die RKN auch Kenntnis hatte.

Ebenfalls ist zu erwähnen, dass mir eine 2-monatige Restrotation auf der
Unfallchirurgie sowie die mir versprochene Rotation in der Gefäßchirurgie
fehlen!

Amüsanterweise waren Mitarbeiter vom Ruppiner Anzeiger am Vortag, also
am 28.09.2011, auf der unfallchirurgischen Station C1 und führten mit einer
Kollegin aus Österreich ein Interview über die Weiterbildung österreichischer
AbsolventInnen in den RKN.

Mit diesem respektlosen Akt hat sich die Personalabteilung der RKN meines
Erachtens entkleidet:
Es geht weder um die AssistInnenweiterbildung noch um Respekt, sondern
es geht um die eigenen Interessen, denn im Oktober wurden insgesamt 3
neue KollegInnen angestellt (einer davon ist schon weg).

Nur nebenbei erwähnt: in meinem 2-jährigen Aufenthalt an den RKN habe ich
mindestens 30 KollegInnen gehen sehen, freiwillig und unfreiwillig!!! No
Comments...

Zusammenfassung:

Kurzfristig gesehen hat man die Möglichkeit, sich an den RKN gut
weiterzubilden, da man hier - wie in anderen Kliniken - als frischgebackener
Arzt vieles an Erfahrungen sowie Fort- und Weiterbildungen mitzunehmen
hat. Dieses geht aber nur solange wie es im Interesse der RKN ist.

Langfristig besteht an den RKN wegen des Dienstsystems nur sehr schlechte
Möglichkeiten einer sinnvollen Weiterbildung:

Das Dienstsystem sieht einen Rettungsstellendienst und einen erfahrenen
Klinikdienst vor. Ein Dienst besteht aus 12 Stunden-Schicht; wenn man
Nachtdienst hat, ist man am Folgetag im Dienstausgleich (Dienstfrei), man
kommt zur Nacht, und geht in der Früh nach Hause.
Man arbeitet jedoch nur in der Rettungsstelle und nicht in der Klinik für die
man sonst arbeitet. Wenn man im Schnitt 8 Dienste im Monat hat (Tendenz
steigend), fehlt man mindestens 16 Tage in der eigenen Klinik. Somit blieb
mir als Assistenzarzt in der Thoraxchirurgie nur ein paar Tage, an denen ich
thoraxchirurgische Weiterbildung genieße. Dadurch war die Einteilung für
Operationen ungenügend.
In anderen Abteilungen führen Oberärzte und erfahrene KollegInnen die
simplen Operationen selber durch. Operationen werden Assistenten nicht
anvertraut, PJ-lerInnen und FamulantInnen assistieren tagtäglich im OP,
während die AssistenzärztInnen auf Station und in die Aufnahme eingeteilt
werden.
Eine strukturierte, fundierte chirurgische Weiter- und Ausbildung kann daher
nicht erfolgen.
Man wird in der Rettungsstelle geparkt und entwickelt sehr schnell eine
Frustration.

Dieser Erfahrungsbericht soll dazu dienen, andere AssistenzärztInnen
aufzuklären und zu sensibilisieren, klare vertragliche Regelungen und
Vereinbarungen zu treffen, um nicht wie ich in die Irre geführt zu werden.
Das soll nur ein kleiner Beitrag für die Verbesserung unserer Weiterbildung
hierzulande sein.

Vielen Dank nochmals an allen, die mich unterstützt und mir ihre Hilfe
angeboten haben.

P.S.:
Wer diese E-Mail bekommen hat?! Vertreter und Mitglieder folgender
Organisationen und Verbände:
1- Clinotel, Ruppiner Kliniken.
2- Ärztekammern Deutschland, Österreich.
3- Landesgesundheitsamt Brandenburg.
4- Berufsverband Deutscher Chirurgen, Marburger Bund.
5- Med. Uni. Wien, Med. Uni Graz, Med. Uni. Innsbruck.
6- Doc and Doc Österreich.
7- Presse Deutschland, Österreich.
8- Medizinerforen Deutschalnd, Österreich.
9- Sowie ehemalige KollegInnen...


Mit rauchfreien, kinderfreundlichen Grüßen,
Dr. med. univ. Saher Khatib

http://children-ets.blogspot.com/
http://www.ipetitions.com/petition/save_our_children_from_nicotine/
am Montag, 14. November 2011 um 20:25
 

Nimm das Positive mit :>)

...Deine Erfahrungen hast du gemacht....vor 10 Jahren war es in D eher schlechter...und in der Neuruppiner Steppe wirst du wahrscheinlich sowieso keine Karriere machen...
am Mittwoch, 23. November 2011 um 19:12
geändert am 23.11.2011 19:20:58
geändert am 23.11.2011 23:05:02
 

Go West

Kommen Sie in die USA.
Sehr gute Aus-/Weiterbildung mit garantierten Rotationen und garantiertem Facharzt. Relativ normale Hierarchien und wenig maligne Leute.
Viel Arbeit während der Ausbildung, aber eben mit garantiertem Ziel (s.o).
Kinderfreundlich und extrem rauchfrei.

Das Land und die Leute sind viel vielseitiger als in den (deutschen?) Medien kolportiert; allerdings ist es in der Pampa hier wahrscheinlich schlimmer als in der Pampa Mitteleuropas... Solange man nicht den Fehler macht zu glauben, daß die Amis den Europäern (Deutschen?) ähnlich sein, gewöhnt man sich recht zügig ein.
In den großen und mittelgroßen Städten lebt es sich ganz gut und wenn man nicht zu weit von der Ostküste oder Nordgrenze weg lebt, kann man auch recht zügig nach Europa fliegen.

Ich habe das vor über zehn Jahren aus ähnlichen Gründen (ebenfalls Chirurgie) wie Sie gemacht und es beruflich niemals bereut. Ich verdiene sehr gut und jetzt als Anästhesist mache ich jeden Tag andere Bereiche: mal Babies, mal Lebertransplantationen, mal HNO, mal Kreissaal etc. während ich mich in D wahrscheinlich als BereichsOA zum Facharzttarif langweilen würde.
Mir fehlt nur manchmal die Gemütlichkeit (Biergarten, Lebkuchen+Glühwein), aber auch das gibt es anderswo hier im Land.
Happy Thanksgiving (US).
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Ausbeutung junger Ärztinnen und Ärzte

Ärzteschaft im Umbruch: Die Ausbeutung der Arbeitskraft und die Überlastung insbesondere junger Ärztinnen und Ärzte hat das Deutsche Ärzteblatt in mehreren Beiträgen thematisiert. Auch auf dem 104. Deutschen Ärztetag in Ludwigshafen war es ein zentrales Thema. Der Druck dürfe nicht weiter von oben nach unten weitergereicht werden, hieß es. Dieses Forum soll den Ärzten als Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch dienen. Wir bitten, dabei auf persönliche Verunglimpfungen und insbesondere auf Namensnennungen zu verzichten. Die Redaktion behält sich vor, derartige Beiträge zu entfernen

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