Eingeloggt als

Suchen in

«1»Seite
4 Beiträge, Seite 1 von 1
am Samstag, 7. Januar 2012 um 20:19
geändert am 09.01.2012 20:24:06
geändert am 09.01.2012 20:54:03
geändert am 09.01.2012 21:05:31
geändert am 15.01.2012 09:07:49
geändert am 21.02.2012 16:43:44
geändert am 07.05.2012 02:32:07
 

Überbewertung vom Tschernobylthema: cui bono?

Medizinische Konsequenzen der Tschernobylkatastrophe wurden in vielen Veröffentlichungen überbewertet; einige davon sind in [1-4] kommentiert worden. Dabei wurden unter anderem die folgenden Mechanismen der Überbewertung besprochen: Deutung spontaner Erkrankungen in ausgesetzten Bevölkerungsgruppen als radiationsbedingt; Diskussion der Radioaktivität und Strahlendosen ohne die Werte mit der natürlichen Strahlung zu vergleichen, Schlussfolgerungen über Morbiditäts- oder Risikoerhöhung ohne adäquate Vergleiche mit Kontrollpopulationen zu ziehen, unter Umständen auch falschpositive morphologische Diagnostik der Malignität. Außerdem wurde die lineare schwellenlose Hypothese (LNT) [5] in mehreren Artikeln für die Extrapolationen benutzt, z.B. um die Inzidenz strahlenbedingter maligner Neubildungen und anderer Erkrankungen zu prognostizieren [6,7]. Es muss dabei vermerkt werden, dass die Validität der LNT im Bereich der kleineren Dosen, insbesondere für die Dosen von einer natürlichen Strahlung und die damit vergleichbaren, nie bewiesen wurde. Anwendbarkeit der LNT im Strahlenschutz [8] als „common sense“ oder Rückversicherung kann diskutiert werden; für die Extrapolationen mit Voraussagungen von Millionenopfer [6,7] gibt es aber keine Gründe. Der Band [6] hat demonstriert, dass Tschernobylkonsequenzen nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion (SU) überbewertet wurden. In der SU erleichterte das Aufblasen vom Tschernobylthema die Herstellung zahlreicher Dissertationen, Finanzierung, internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit und die Hilfeleistungen. Später sind auch andere Motive in Erscheinung getreten: die Radiophobie hat eine Entwicklung der Kernenergie in vielen Ländern verhindert, und auf diese Weise zur Preiserhöhung der fossilen Energieträger beigetragen [1]. Für einen internen Beobachter ist es offensichtlich, dass hinter zahlreichen, teils russischsprachigen Veröffentlichungen (viele wurden in [4] zitiert), die Tschernobylkonsequenzen überbewerteten, eine Direktive stand. Die Forschungsthemen wurden oft den Wissenschaftlern zugeteilt, während die "zu erwartenden" Ergebnisse von einem wissenschaftlichen Rat besprochen und, in Wirklichkeit, oft im voraus vorgeschrieben wurden. Die erwünschten Forschungsergebnisse konnten von Vorgesetzten "empfohlen" werden, was vom tief eingenisteten (auch in der Wissenschaft und Medizin) autoritären Führungsstil begünstigt wurde. Außerhalb der ehemaligen SU waren unter den Motiven die anti-nuklearen Ressentiments, die von der Grünen Bewegung im Einvernehmen mit den Interessen der Erdölförderer propagiert wurden. Die Tschernobylkatastrophe wurde ausgenutzt, um die globale Entwicklung der Kernenergie zu strangulieren [5]. Heute gibt es jedoch keine Alternativen für die Kernenergie: die nichterneuerbaren fossilen Brennstoffe werden immer teurer, was fortschreitendes Reichtum in den erdölfördernden Ländern und Armut anderswo zur Folge haben wird. Die möglichen alternativen Energiequellen bieten heute praktisch keine Alternative insbesondere für Europa, wo große Wasserkraftwerke nur noch sehr begrenzt errichtbar sind. Die anderen erneuerbaren Energiequellen (Sonnen-, Windenergie, Energie aus Biomasse) bilden etwa 1 % des globalen Energieverbrauches (http://en.wikipedia.org/wiki/File:World_energy_consumption_by_type_2006.png). Angesichts des fortschreitenden Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung dicht bevölkerter Regionen scheint die zukünftige Rolle alternativer Quellen in der Lösung der Energieprobleme eher gering zu sein. Dasselbe betrifft auch die Maßnahmen zum Energiesparen, die außerhalb der am meisten entwickelten Länder offenbar kaum je vollherzig angewandt wurden, insbesondere in energieproduzierenden Gegenden. Dementsprechend lockt der Aufruf, die noch in Deutschland am Netz verbliebenen Atomkraftwerke so schnell wie möglich abzuschalten [9] in eine wirtschaftliche Sackgasse. Obwohl die globale Entwicklung der Kernenergie eine Notwendigkeit ist, wird es nur dann möglich sein, wenn die Sache von einer internationalen Executive geleitet wird. Dann wird es auch möglich sein, die Kernkraftwerke in optimal passenden Plätzen zu bauen, ungeachtet der Staatsgrenzen, unter Berücksichtigung aller geographischen und geologischen Bedingungen. Auf diese Weise werden die Nuklearunfälle wie in Fukushima vorgebeugt.

Einen besonderen Kommentar verdient der Schilddrüsenkrebs bei den Patienten, die im Kindes- oder Jugendalter bestrahlt worden sind. Der Schilddrüsenkrebs in diesem Kontingent ist die einzige somatische Erkrankung (außer der akuten Strahlenkrankheit und möglicherweise Leukämie bei am meisten bestrahltem Personal), die sich beweisbar infolge der Bestrahlung nach der Tschernobylkatastrophe entwickelt hat [10]. Es gibt viele Indizien, dass die Inzidenzerhöhung des Schilddrüsenkrebses weitgehend von anderen Faktoren verursacht wurde: Screening mit Entdeckung vernachlässigter, latenter und fraglicher Fälle, Hyperdiagnostik, Registrierung nicht-bestrahlter Patienten als Tschernobylopfer usw. [1-4]. Der Autor dieses Briefes befragte Pathologen und andere Ärzte, die sich an der Diagnostik vor Ort beteiligt hatten. Viele Fachleute stimmten zu, dass die Tschernobylkonsequenzen überbewertet wurden, und betonten dabei eine Rolle nicht-wissenschaftlicher Interessen. Radio- und Kanzerophobie nach dem Tschernobylunfall haben ihrerseits zur Hyperdiagnostik beigetragen, was durch die folgenden Zitate aus der russischsprachigen Fachliteratur illustriert werden kann (wortwörtliche Übersetzung): "Praktisch alle Schilddrüsenknoten wurden um diese Zeit unabhängig von der Größe bei Kindern als potentiell maligne Tumoren betrachtet, die eine dringende Operation benötigen" oder "Aggressivität der Chirurgen hat zur Kürzung der Latenzzeit beigetragen" [11]. Der Jodmangel in kontaminierten Gebieten, der bekanntermaßen mit einer erhöhten Strumahäufigkeit einhergeht, bietet eine zusätzliche Erklärung, warum so viele Schilddrüsenknoten beim Screening entdeckt wurden. Einige von diesen Knoten wurden anschließend als Karzinome fehlgedeutet. Veraltete Laborausrüstung in den neunziger Jahren und die unter Umständen niedrige Qualität histologischer Schnitte beeinträchtigten zusätzlich die histologische Diagnostik. Es ist jedenfalls offensichtlich, dass ein Massenscreening in den Gebieten, wo der pädiatrische Schilddrüsenkrebs vorher vergleichsweise selten diagnostiziert wurde, unter den Bedingungen einer veralteten Laborausrüstung, eines Fachliteraturmangels, in der Atmosphäre der Radio- und Kanzerophobie, voraussagbar eine Überbewertung zur Folge haben sollte. Zum Schluss muss auch erwähnt werden, dass eine Überbewertung der Tschernobylkonsequenzen zu einer inadäquaten Einschätzung der Karzinogenität vom Radiojod beitragen kann, was ungünstige Folgen für die Forschung und Praxis haben kann.

Literatur
1. Jargin SV. Thyroid cancer after chernobyl: obfuscated truth. Dose Response 2011;9(4):471-6.
2. Jargin SV. Overestimation of Chernobyl consequences: biophysical aspects. Radiat Environ Biophys 2009;48(3):341-4.
3. Jargin SV. Overestimation of medical consequences of increased background radiation (in Russian with Englisch summary). Med Radiol Radiation Safety (Moscow) 2008;53(3):17-22 http://www.fmbcfmba.org/default.asp?id=5100
4. Jargin SV. On the overestimation of thyroid cancer morbidity in persons exposed to ionizing radiation at the childhood ages due to the Chernobyl Accident (in Russian with Englisch summary). Med Radiol Radiation Safety (Moscow) 2010;55(2):65-9 http://www.fmbcfmba.org/default.asp?id=5100
5. Jaworowski Z. Observations on the Chernobyl Disaster and LNT. Dose Response 2010;8:148-71.
6. Yablokov AV, Nesterenko VB, Nesterenko AB. Chernobyl. Consequences of the catastrophe for people and the environment. Ann N Y Acad Sci 2009; vol. 1181.
7. Bertell R. Behind the cover-up. Assessing conservatively the full Chernobyl death toll. Pacific Ecologist; Winter 2006. Issue 12:35-40.
8. Jargin SV. Hormesis and radiation safety norms. Hum Exp Toxicol 2012; doi: 10.1177/0960327111431705.
9. Richter-Kuhlmann EA. Tschernobyl: Nach 25 Jahren noch ein Thema. Deutsches Ärzteblatt 2011;108(16):A-871/B-715/C-715.
10. United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) 2008 Report. Sources and effects of ionizing radiation. Vol. II. Effects of ionizing radiation. Annex D: Health effects due to radiation from the Chernobyl accident. United Nations.
11. Parshkov EM. Analysis of thyroid cancer morbidity. In: Lushnikov EF. Tsyb F, Yamashita S. Thyroid cancer in Russia after Chernobyl (in Russian with English summary). Moscow: Meditsina; 2006, p. 36–59.

am Samstag, 14. Januar 2012 um 11:32
geändert am 14.01.2012 14:39:28
geändert am 14.01.2012 14:43:59
geändert am 14.01.2012 22:48:20
geändert am 15.01.2012 09:33:33
geändert am 15.01.2012 10:23:04
geändert am 15.01.2012 12:54:22
 

Kernenergie in Europa

Die alternativen Energiequellen bieten heute keine Alternative http://en.wikipedia.org/wiki/File:World_energy_consumption_by_type_2006.png
insbesondere für Europa, wo große Wasserkraftwerke nur noch sehr begrenzt errichtbar sind. Viele Behauptungen werden in den Medien ohne Verweise gemacht, z.B. ""Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" (KiKK-Studie), hat ergeben, dass Kleinkinder unter fünf Jahren umso häufiger an Krebs, besonders an Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen." http://www.ippnw.de/aktiv-werden/kampagnen/petition-fuer-einen-besseren-strahlenschutz.html
Wie wurde das demonstriert? Die natürliche Strahlung variiert bekanntermaßen stark, unvergleichlich viel breiter als die Atomkraftwerke es verursachen, indem es mit keinen entsprechenden Risikoschwankungen verbunden ist. Die Sache scheint politisch beeinflusst zu sein. Das Verbot der Kernenergie in Europa bedeutet eine zunehmende Abhängigkeit von Russland. Solange das zum beiderseitigen Nutzen geschieht, ist das völlig in Ordnung. Jemand soll doch Leader sein. Einige westliche Ideale (Gesetzlichkeit usw.) werden vielleicht davon leiden (1), doch haben sie wirklich existiert, oder scheint es nur kleinen Leuten von unten, dass es im Westen keine Korruption gibt? Zum Schluss ist es zu empfehlen, die Kernenergie in Westeuropa zu entwickeln.

1. Jargin SV. Barriers to importation of medical products in Russia. Lancet. 2008;372(9651):1732.
am Sonntag, 15. Januar 2012 um 22:07
 

sie lasen eine PR-einschaltung der atomindustrie

ganz "unabhängig"!
am Dienstag, 17. Januar 2012 um 08:52
geändert am 17.01.2012 10:43:27
geändert am 02.03.2012 07:59:31
geändert am 07.05.2012 02:34:45
 

Strahlenschutz-Standards

Mehr dazu:

Jargin SV. Hormesis and radiation safety norms. Hum Exp Toxicol. 2012 Jan 16.

«1»Seite
4 Beiträge, Seite 1 von 1

Vermischtes

Das Forum "Vermischtes" steht Ihnen ständig zur Verfügung: zum allgemeinen Meinungsaustausch, für kollegiale Kontakte sowie für Anregungen und Kritik an die Redaktion. Wir bitten, dabei auf persönliche Verunglimpfungen zu verzichten. Die Redaktion behält sich vor, derartige Beiträge zu entfernen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren