Ministerium und Krankenkassen: Scharfe Kritik an Ärzteprotesten
Mittwoch, 25. Januar 2006
BERLIN. „Die Einkommenssituation der Ärzte sowohl im niedergelassenen als auch im stationären Bereich ist nach wie vor vergleichsweise gut.“ Das erklärt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vor dem Hintergrund der Ärzteproteste in der Publikation „Zahlen und Fakten zur Situation der Ärzteschaft“. Das Einkommen der Ärzte liege deutlich über dem Durchschnittseinkommen von Arbeitnehmern und über dem Einkommen anderer Akademiker. Außerdem haben laut BMG die Einkommen der Ärzte in den vergangenen Jahren zugenommen, sie konnten dabei mit der Inflation Schritt halten.
Internationale Zahlen belegten zudem, dass sich die Einkommen der deutschen Ärzte im Ländervergleich keineswegs am unteren Ende, sondern im Mittelfeld bewegten. Nach Abzug der Praxiskosten ergebe sich im Westen über alle Fachgebiete gemittelt ein Überschuss je Arzt in Höhe von 84 976 Euro, im Osten in Höhe von 78 268 Euro. Zu diesem Bruttoeinkommen addieren sich laut BMG noch die Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten. Im Westen machen diese je nach Fachgebiet zwischen 16 und 33 Prozent aus. Im Osten erwirtschafte ein Arzt je nach Fachgebiet zwischen sieben und 30 Prozent seines Umsatzes mit Privatpatienten.
Kritik an den Ärzteprotesten kam auch von den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen. Ihrer Auffassung nachgehen die Aktionen „an der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung völlig vorbei“. Für Ärzte könne es insgesamt nur dann mehr Geld geben, wenn auch die Beitragszahler der Kassen wieder deutlich besser verdienten als heute. Die Ärzte sollten sich klarmachen, dass ihr „jetzt beklagtes angeblich zu niedriges Einkommen von Beitragszahlern stammt, die im Durchschnitt ein monatliches Bruttoeinkommen von 2 210 EUR (26 520 EUR pro Jahr) haben“.
© hil/aerzteblatt.de
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