Medizin

Neuer Betrugsskandal: Lancet-Studie zur Krebsvorbeugung durch NSAID offenbar eine Fälschung

Donnerstag, 19. Januar 2006

Oslo - Eine im Oktober 2005 im Lancet publizierte Fall-Kontroll-Studie über die protektive Wirkung von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) gegen Kopf-Hals-Tumoren ist offenbar eine Erfindung des Erstautors gewesen. Dies teilt die Strahlenklinik in Oslo nach einer internen Untersuchung mit. Der Autor und „Erfinder“ der Daten habe sich krankgemeldet.

Das US-National Cancer Institute hatte die Studie mit 10,5 Millionen US-Dollar gesponsert. Mit diesem Geld sollte Jon Sudbø von der Strahlenklinik in Oslo zusammen mit Kollegen des M. D. Anderson Cancer Center in Houston/Texas untersuchen, ob die Einnahme von NSAID starke Raucher vor Kopf-Hals-Tumoren schützt. Die Aufgabe bestand darin, die Daten von 123 000 Norwegern zu analysieren, die zwischen 1975 und 1995 an einer Umfrage teilgenommen hatten (Norwegian Health Survey). Die Ergebnisse wurden beim Lancet zur Publikation eingereicht und passierten den Gutachter-Prozess, vielleicht auch, weil der Autor in der Vergangenheit bereits 38 Studien in internationalen Publikationen veröffentlicht hatte, die jetzt alle überprüft werden sollen. 

Im Oktober wurde die Studie im Lancet publiziert (2005; 366: 1359-1366). Eine Pressemitteilung des M. D. Anderson Cancer Center war auch für aerzteblatt.de Anlass für eine Meldung, zumal die Studie Hinweise auf eine erhöhte Anzahl von kardiovaskulären Todesfällen bei Patienten mitteilte, die mit NSAID behandelt worden waren.

In der letzten Woche äußerte eine Forscherin des Norwegian Institute of Public Health, das die Daten des Norwegian Health Surveys betreut, Zweifel an der Integrität der Daten, was die Strahlenklinik in Oslo zu einer internen Prüfung bewog. Dabei kam anscheinend heraus, dass der Autor in großem Umfang Daten selbst erstellt hat. Dies teilte der Leiter der Klinik Stein Vaaler in einer Pressemitteilung mit. Der Fall sei eine tiefe und persönliche Tragödie für den Autor, wird Vaaler zitiert. Der Lancet und die betroffenen US-Institute wurden informiert. Der Autor selbst hat sich zu den Anschuldigungen noch nicht geäußert, sodass vorläufig die Unschuldsvermutung gelten sollte. /rme

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