HIV: Abbruch einer internationalen Studie zu Therapieunterbrechungen
Donnerstag, 19. Januar 2006
Bethesda - Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases hat den Abbruch einer weltweiten Studie bekannt gegeben. Grund ist die beschleunigte Progression der HIV-Infektion unter der untersuchten Therapie, die den Patienten gelegentliche Therapiepausen erlaubte. Bei einer Zwischenauswertung Anfang Januar stellte sich aber heraus, dass dadurch die Progression der Erkrankung gefördert wurde.
Die Studie mit der Bezeichnung „Strategies for Management of Anti-Retroviral Therapy“ oder SMART verglich zwei Behandlungsstrategien. In einer Gruppe (“Virologic Suppression” oder VS-Gruppe) nahmen die Patienten, so wie dies derzeit üblich ist, ihre antiretroviralen Medikamente ohne Unterbrechungen ein, um die HI-Viruslast möglichst unter der Nachweisgrenze zu halten. In der Vergleichsgruppe (“Drug Conservation” oder DC-Group) entschied die Zahl der CD4-Zellen über die Therapie. Die Therapie wurde erst begonnen, wenn der CD4-Wert auf unter 250/mm3 abgefallen war. Wenn sich der Wert dann unter der Therapie auf über 350/mm3 erholte, wurde eine Therapiepause eingelegt. Diese Strategie sollte das Auftreten von Resistenzen verhindern und gleichzeitig die Lebensqualität der Patienten verbessern, die unter der “Pillenlast” und den Nebenwirkungen der Medikamente zu leiden haben.
An der groß angelegten Studie beteiligten sich 318 Zentren in 33 Ländern (darunter auch Deutschland). Die Studie begann im Januar 2002 und hatte bereits 5 472 der angestrebten 6 000 Patienten eingeschlossen, als das Data and Safety Monitoring Board (DSMB) Anfang Januar eine Zwischenauswertung durchführte.
Die mittlere Behandlungszeit betrug zwar erst 15 Monate, aber es zeichnete sich klar ab, dass die DC-Strategie nicht aufgeht. Die Rate der HIV-Progression war doppelt so hoch wie in der VS-Gruppe. Außerdem wurde ein Anstieg der kardiovaskulären Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Lebererkrankungen in der DC-Gruppe beobachtet. Dabei soll es sich um Komplikationen der antiretroviralen Therapie handeln, von denen man erwartet hatte, dass sie in der DC-Gruppe seltener auftreten würden. Warum das Gegenteil der Fall war, wird bei der näheren Analyse der Daten zu klären sein.
Das Ergebnis war aber so eindeutig, dass das DSMB am 11. Januar den Abbruch der DC-Strategie empfahl. Ärzte und Patienten sollen bereits darüber informiert worden sein.
Der Ausgang der Studie, eine der größten jemals zur Therapie bei HIV durchgeführten Therapiestudien, ist eine herbe Enttäuschung. Kleinere Studien hatten hoffen lassen, dass die DC-Strategie ein gangbarer Weg ist. Gleichzeitig zeigt die Studie, wie wichtig die Überprüfung von plausiblen Hypothesen durch randomisierte kontrollierte Studien ist. /rme
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