Postherpetische Neuralgie: Keine präventive Wirkung von epiduralen Injektionen
Freitag, 20. Januar 2006
Utrecht - Bei Patienten mit Herpes zoster kann die einmalige epidurale Injektion einer Kombination aus Steroid plus Lokalanästhetikum die postherpetischen Schmerzen im ersten Monat nach der Gürtelrose senken. Langfristig war die Therapie in einer jetzt im Lancet (2006; 367: 219-224) publizierten randomisierten kontrollierten Studie jedoch ineffektiv, weshalb die Editorialisten von Einsatz abraten.
An postherpetischen Schmerzen leiden zwischen neun und 34 Prozent aller Patienten nach einer Gürtelrose. Die Pathogenese ist nicht genau bekannt. Die sehr schmerzhaften Hautläsionen könnten jedoch zu einer „Sensitivierung“ der Schmerzempfindung im Gehirn führen, die erklärt, warum die Patienten noch Monate nach dem Abheilen der Hautläsionen unter schweren Schmerzen leiden. Die Injektion von Methylprednisolon plus Bupivacain in den Epiduralraum sollte in der PINE-Studie diese Fehlprogrammierung in der Schmerzwahrnehmung verhindern. An der Studie nahmen 598 Patienten teil. Eine Hälfte wurde mit Virustatikum und Analgetika behandelt, wie dies dem Standard entspricht, während die andere Hälfte während der akuten Phase der Gürtelrose zusätzlich eine epidurale Injektion mit den genannten Wirkstoffen erhielt.
Im ersten Monat klagten die Patienten, die eine epidurale Injektion erhalten hatten, seltener über Schmerzen, doch danach war kein Unterschied mehr nachweisbar. Eine Therapie kommt deshalb nur für Patienten infrage, deren Schmerzen während der Akutphase mit anderen Medikamenten nicht zu lindern seien, schreiben die Studienleiter Albert van Wijck und Wim Opstelten vom University Medical Center in Utrecht.
Auch die Editorialisten Ralf Baron und Gunnar Wasner vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel äußern sich zurückhaltend, zumal es bereits mehrere gute Ansätze zur Behandlung der postherpetischen Neuralgie gibt (Antidepressiva, Antikonvulsiva, Opiode) und auch lokale Therapien häufig ansprechen. Dagegen sind die Möglichkeiten einer Prävention sehr begrenzt.
Große Hoffnungen werden zurzeit in die neuen Windpocken-Impfstoffe gesetzt. Sie könnten langfristig die Herpes-zoster-Viren eradizieren, deren einziger Wirt der Mensch ist. Es gibt allerdings auch Stimmen, die vor einem Anstieg der Zoster-Inzidenz gerade durch die Impfung warnen. Die Impfungen könnten die Windpocken so weit zurückdrängen, dass Erwachsene nicht mehr mit dem Wildtyp der Viren in Berührung kommen. Die natürliche Boosterung soll eine Schutzwirkung gegen den Zoster haben. Ob diese Annahme stimmt, ist allerdings keineswegs bewiesen. Letztlich wird es nach der Einführung der Impfstoffe zu einen „natürlichen Experiment“ kommen. /rme
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