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Großbritannien: NICE empfiehlt Alzheimer-Medikamente – ab mittelschwerer Erkrankung

Dienstag, 24. Januar 2006

London - Das britische National Institute for Health Clinical Excellence (NICE) rückt offenbar von seinem Widerstand gegen den Einsatz von Antidementiva beim Morbus Alzheimer ab. Noch im März letzten Jahres hatte die Behörde den Einsatz der Medikamente als Verschwendung bezeichnet. Jetzt wurde der Entwurf einer Leitlinie vorgestellt, die den Cholinesterasehemmern Donepezil, Rivastigmin und Galantamin einen gewissen Stellenwert einräumt, während der Einsatz von Memantin weiter abgelehnt wird. Der Einsatz der Cholinesterasehemmer soll jedoch auf schwerere Erkrankungen beschränkt bleiben, was in der britischen Öffentlichkeit auf Kritik stieß.

NICE legt fest, welche Medikamente Ärzte in Großbritannien den Patienten auf Kosten des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) verschreiben dürfen. Dabei spielen immer auch Kostenüberlegungen eine Rolle. Da die Behandlungskosten der einzelnen Antidementiva etwa 1.000 britische Pfund betragen, forderte NICE in der Vergangenheit auch den Nachweis einer Kosteneffektivität. In der originalen Leitlinie aus dem Jahr 2001 wurde der Einsatz von Donepezil, Galantamin und Rivastigmin noch empfohlen. Einschränkend hieß es nur, der Einsatz sollte abgebrochen werden, sobald kein Effekt mehr erkennbar sei.

Die Leitlinie ist noch in Kraft, doch eine Überarbeitung der Leitlinie steht bevor. Bei der Vorbereitung kam es dann zu der Äußerung von NICE, dass ein Einsatz der Medikamente bei allen Patienten nicht ausreichend belegt sei, was dann für Aufregung sorgte. Ob dies der Grund für die Rücknahme der radikalen Position ist, lässt sich schwer beurteilen. In der aktuellen Pressemitteilung heißt es, NICE habe die Hersteller der Medikamente aufgefordert, weitere Daten zu ihren Medikamenten zur Verfügung zu stellen.

Deren Auswertung hat nun zu der neuen Bewertung geführt, die sich wie ein Kompromiss liest. Die Cholinesterasehemmer Donepezil, Rivastigmin und Galantamin sollen jetzt allen Patienten mit Morbus Alzheimer verordnet werden dürfen, deren mentaler Status auf zehn bis 20 Punkte in der Mini Mental State Examination (MMSE) abgefallen ist. Dies sollen nach Angabe von NICE etwa 40 Prozent der Alzheimer-Patienten sein. Den Einsatz von Memantin lehnt NICE weiterhin bei allem Patienten ab.

Der Entwurf der neuen Leitlinie ist im Internet abrufbar. Bis zum 13. Februar können Kommentare eingereicht werden. Die ersten Reaktionen in Großbritannien waren kritisch. Die Alzheimer's Society äußerte erhebliche ethische und praktische Bedenken. Die neue Bewertung werde die Qualen der Patienten nur verlängern, heißt es in der Pressemitteilung. Der British Geriatrics Society basieren die Entscheidungen von NICE zu sehr auf wirtschaftlichen Überlegungen. Es sei „konter-intuitiv“, wenn die Ärzte einerseits aufgefordert würden, die Erkrankung möglichst früh zu diagnostizieren, sie aber andererseits nicht gleich behandeln dürften. Man gewinnt den Eindruck, dass die partielle Reaktion von NICE ihre Kritiker anstachelt, um zuletzt doch noch eine Erweiterung zu erzielen. Evidenzbasierte Überlegungen scheinen dabei zunehmend eine untergeordnete Rolle zu spielen. /rme

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