ASS sicher bei Patienten mit Zustand nach Hirnblutung?
Dienstag, 24. Januar 2006
Boston - Nach einer intrazerebralen Hämorrhagie sind Medikamente, die die Blutungsneigung erhöhen, streng kontraindiziert. Dies gilt bisher auch für den Thrombozytenaggregationshemmer Acetylsalicylsäure (ASS). Eine Studie in Neurology (2006; 66: 206-209) kommt zu dem Ergebnis, dass dieses Verbot möglicherweise gelockert werden könnte.
Die Gruppe um Anand Viswanathan vom Massachusetts General Hospital in Boston hat 207 Patienten, die zwischen 1994 und 2004 eine intrazerebrale Hämorrhagie überlebt hatten, alle sechs Monate telefonisch kontaktiert und sie nach der Einnahme von ASS und einer erneuten intrazerebralen Hämorrhagie befragt. 46 Patienten hatten begonnen, ASS einzunehmen. Häufig war es ihnen von den Ärzten verschrieben worden, da sie auch ein erhöhtes Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall hatten.
ASS ist in diesem Fall eine etablierte präventive Medikation. Von diesen 46 Patienten hatten sieben erneut eine intrazerebrale Hämorrhagie erlitten. Dem standen 32 Patienten gegenüber, die kein ASS eingenommen hatten, aber dennoch eine intrazerebrale Hämorrhagie erlitten. Anand folgert, dass das Risiko einer ASS-Gabe bei einigen Patienten vertretbar sein könnte. Eine Empfehlung lässt sich aber aus einer einfachen Beobachtungsstudie, noch dazu mit einer geringen Zahl von Patienten, nicht ableiten. Daher fordert Anand eine randomisierte kontrollierte Studie.
Nach den Ergebnissen der Studie scheint der Ort der Hirnblutung das Rezidivrisiko zu beeinflussen. Am höchsten ist die Gefahr nach Blutungen in lobäre Regionen (cerebraler Cortex). Von den 127 Patienten mit einer lobären Hirnblutung erlitten 35 später eine weitere Blutung. Dagegen sind Blutungen in tiefere Hirnstrukturen (Hirnstamm, Thalamus und Striatum) weniger rezidivgefährdet. Nur vier der 80 Überlebenden erlitten ein Blutungsrezidiv. In beiden Fällen hatte die Einnahme von ASS keinen Einfluss auf das Risiko einer weiteren Blutung.
Der Neurologe Larry Goldstein von der Duke Universität in Durham/North Carolina rät zur äußersten Zurückhaltung. Neben den Risiken, die erst noch in größeren Studien untersucht werden müssten, sei auch der Nutzen von ASS in dieser speziellen Patientengruppe nicht bekannt. Bevor nicht die Ergebnisse weiterer Studien vorlägen, sollte ASS nur in Ausnahmefällen verordnet werden, in denen ein Nutzen offensichtlich und die Risiken sehr gering seien. /rme
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