Medizin

USA: Mediziner fordern Verbot von Pharmageschenken

Mittwoch, 25. Januar 2006

Boston - Eine Gruppe von einflussreichen US-Medizinern spricht sich für ein weitgehendes Verbot von Geschenken von Pharmafirmen an Ärzte aus. Kleine Aufmerksamkeiten, Arzneimittelproben, Fortbildungsangebote, Reisen zu Kongressen, Honorare für Vorträge oder das Verfassen von Artikeln, aber auch Berater- oder Forschungsverträge müssten stärker reglementiert oder ganz zurückgefahren werden, schreibt die Gruppe im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 429-433).

Autoren sind unter anderem der Harvard-Mediziner David Blumenthal, der sich in Studien mit Interessenskonflikten von Ärzten beschäftigt hat, sowie David Rothman, der Präsident des Institute of Medicine, das sich seit Jahren für die Verbesserung der Patientenrechte einsetzt. Rothman ist Gründer des Institute on Medicine as a Profession (IMAP), das mit 7,5 Millionen Dollar vom Investmentbanker George Soros unterstützt wird. Zu den Forschungsgebieten gehört der Einfluss, den finanzielle Unterstützungen der Pharma-Industrie auf das Verordnungsverhalten von Ärzten haben.

Die Autoren beklagen, dass die Industrie jährlich Milliarden Dollar für das Marketing ausgebe. Die Investitionen in diesem Bereich seien höher als die Forschungsausgaben, und sie hätten letztlich das Ziel, die Ärzte zur Verordnung von Medikamenten oder zur Benutzung bestimmter Medizinalprodukte zu bewegen. Die Mittel reichen vom Kugelschreiber bis zu freien Reisen und Golfreisen. Vor allem die Empfänger von Redner-Honoraren oder Besitzer von Beraterverträgen würden einen signifikanten Anteil ihres Einkommens durch das Pharma-Marketing beziehen.
Besonders anstößig wurde in der US-Öffentlichkeit jüngst der Fall eines prominenten Chirurgen aus dem Staat Wisconsin registriert, der einen Beratervertrag mit einem führenden Hersteller von Herzschrittmachern hatte und für acht Tage Arbeit 400.000 Dollar kassierte. Doch nach Ansicht der Autoren verfehlen auch kleine „Aufmerksamkeiten“ nicht ihre Wirkung. Ärzte geben in Umfragen zwar an, sie würden sich dadurch nicht beeinflussen lassen. Das sehen Psychologen und Soziologen jedoch  anders (zum Beispiel B. Katz D et al. Am J Bioeth. Summer; 3: 39-46).

Die Autoren befürchten, dass das Pharmamarketing negative Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten hat und fordern eine Änderung der derzeitigen Regeln. Diese wurden in den USA im April 2003 in einem „Compliance Program Guidance for Pharmaceutical Manufacturers“ zusammengefasst. Doch das Regelwerk ist nicht bindend und kann nach Ansicht der Autoren die gegenwärtigen Auswüchse nicht unterbinden. /rme

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