Brustkrebs: Warnung vor lokaler Östrogen-Behandlung der atrophischen Vaginitis
Donnerstag, 26. Januar 2006
London - Im Rahmen der Brustkrebsnachbehandlung mit Aromatase-Inhibitoren kommt es bei vielen Patientinnen zu einer atrophischen Vaginitis. Die topische Behandlung mit Östrogenen verschafft den Frauen zwar Linderung, doch nach den Ergebnissen einer Studie in den Annals of Oncology (2006; doi:10.1093/annonc/mdj127) muss mit einer Resorption der Östrogene gerechnet werden, was dem Ziel der Brustkrebsnachbehandlung, die Bildung der Hormone zu unterdrücken, entgegensteht.
Die neueren Aromatase-Inhibitoren Anastrozol, Letrozole und Exemestan senken die Östrogenkonzentration um mehr als 97 Prozent. Zu den Nebenwirkungen gehört aber eine vaginale Atrophie, die nach Angaben der European Society for Medical Oncology bei jeder fünften Patientin auftritt. Die Beschwerden lassen sich mit Vaginaltabletten lindern, die Östrogen freisetzen. Doch die Hormone wirken nicht nur auf die lokale Schleimhaut. Sie werden in erheblichem Umfang resorbiert, wie Anne Kendall vom Royal Marsden Hospital in London, einer der führenden britischen Krebskliniken, zeigen konnte.
Die Biochemikerin untersuchte Blutproben von sieben Patientinnen mit einer neuen hochempfindlichen Nachweismethode, die auch geringe Konzentrationen des Hormons messen kann. Sechs Patientinnen hatten eine Behandlung mit Vaginaltabletten durchgeführt, die siebte Patientin hatte eine Vaginalcreme benutzt. Bei sechs der sieben Patientinnen wurde bereits zwei Wochen nach Beginn der topischen Behandlung ein Anstieg der Östrogen-Konzentration im Blut registriert. Die Konzentrationen waren zwar gering und sind nach Aussagen der Autoren mit herkömmlichen Assays gar nicht messbar. Dennoch stellen sie ein potenzielles Risiko dar.
Die neuen Aromatase-Inhibitoren, die die Östrogenproduktion um 97 Prozent senken, hätten sich als wirksamer als ältere Präparate erwiesen, welche die Östrogen-Produktion um 90 Prozent senken. Dies zeige, dass ein geringer Unterschied eine Auswirkung habe könne. Der Einsatz von Aromatase-Inhibitoren in der adjuvanten Therapie des Brustkrebses ist aufgrund positiver Studienergebnisse in letzter Zeit stark ausgeweitet worden. Die topische Östrogen-Therapie soll zwar nur vorübergehend eingesetzt werden, da die Symptome nach dem Absetzten jedoch zurückkehren können, dürften nicht wenige Patientinnen den Wunsch nach einer Dauerbehandlung äußern. /rme
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