9.409 News Medizin

Medizin

Notfallmedizin: Behandlung an einem Level-1-Trauma-Zentrum senkt Sterblichkeit

Donnerstag, 26. Januar 2006

Baltimore - Die Behandlung an spezialisierten Traumazentren verbessert die Überlebenschancen von Unfallopfern während der Behandlung und im ersten Jahr danach. Laut einer US-Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 354: 366-78) liegen die Ergebnisse in „Level 1-Zentren“ um 25 Prozent über denen anderer Kliniken.

Das American College of Surgeons hat 1976 Kriterien zur Qualität von Unfallkliniken publiziert. Der Erwerb eines „Level-1“-Zerifikates ist dabei für die Kliniken mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden. Eine National Study on the Costs and Outcomes of Trauma Care sollte deshalb prüfen, ob sich diese Investitionen auch lohnen. Ellen MacKenzie und Mitarbeiter der Bloomberg School of Public Health in Baltimore haben deshalb die Behandlungsergebnisse in 18 Kliniken des Levels 1 mit denen anderer nicht zertifizierter Kliniken verglichen. Ein derartiger Vergleich ist immer problematisch, da man davon ausgehen muss, dass Patienten mit besonders schweren Verletzungen bevorzugt an die Level-1-Kliniken weitergeleitet werden, was aus medizinischer Sicht auch sinnvoll ist. Gleichzeitig erschwert dies aber den Nachweis, ob dort wirklich die besseren Ergebnisse erzielt werden.

Um einen fairen Vergleich möglich zu machen, mussten deshalb die Krankenakten aller 5.190 Trauma-Patienten ausgewertet werden. Dabei mussten nicht nur die Diagnosen (IDD-9 Kategorien 800-959) und die Schwere der Verletzungen (nach der Abbreviated Injury Scale der Association for the Advancement of Automotive Medicine) beurteilt werden. Auch die Begleiterkrankungen (Charlson Index) und selbst die soziodemographischen Eigenschaften können die Prognose der Patienten beeinflussen und deshalb das Ergebnis der Studie verfälschen.

Dies wurde in den Berechnungen berücksichtigt. Wenn die Autoren sauber gearbeitet haben, dann kann den Level-1-Kliniken eine deutlich bessere Leistung zugeschrieben werden. Die Kliniksterberate lag in den untersuchten 18 Level-1-Kliniken bei 7,6 Prozent und damit signifikant niedriger als in den 51 Vergleichskliniken, in denen 9,5 Prozent der Patienten während des Aufenthaltes starben. Nach einem Jahr betrugen die Sterberaten 10,4 Prozent in den Level-1-Kliniken und 13,8 Prozent in den nicht zertifizierten Kliniken.

Insgesamt waren die Überlebenschancen also um etwa ein Viertel besser, was nach Ansicht der Autoren die höheren Behandlungskosten in den Zentren rechtfertigt. Außerdem würden die Ergebnisse die Pläne für eine stärkere Regionalisierung stützen, deren Ziel es ist, allen Schwersttraumatisierten eine Versorgung in einer Level-1-Klinik zu ermöglichen. /rme

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
9.409 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in