Großbritannien: Freitod löst erneute Diskussion über Sterbehilfe aus
Freitag, 27. Januar 2006
London - In Großbritannien wird abermals öffentlich über eine Legalisierung der aktiven ärztlichen Sterbehilfe diskutiert. Anlass für die neue Ethik-Debatte ist der Fall einer 66-jährigen ehemaligen Hausärztin, die – begleitet von Fernsehkameras – in die Schweiz flog, um dort ihr Leben zu beenden.
Dr. Anne Turner litt an fortschreitender supranukleärer Paralyse. Die Krankheit ist unheilbar und der behandelnde Arzt hatte seine Patientin mehrfach darauf hingewiesen, dass sie „wahrscheinlich“ bettlägerig werden würde und einen langsamen und qualvollen Tod zu erwarten hätte. „Das wollte ich nicht“, so die 66-Jährige kurz vor ihrem Tod. Die Medizinerin war am Montag dieser Woche gemeinsam mit ihren drei erwachsenen Kindern von Großbritannien nach Zürich geflogen. Ein Kamerateam des Senders BBC begleitete die Familie. Auch die letzten Stunden der 66jährigen wurden gefilmt und zeitversetzt im britischen Fernsehen gezeigt.
Dr. Turner begab sich in Zürich in die Obhut von Ärzten der Privatklinik „Dignitas“. Ihr Leben beendete sie, indem sie einen Mix aus starken Schmerzmitteln trank. Ihre Kinder waren zum Todeszeitpunkt anwesend und hielten das Geschehen auf Video fest. „Wir sind der Meinung, dass es Ärzten in Großbritannien erlaubt sein sollte, Patienten wie unsere Mutter beim Sterben zu helfen, ohne dafür bestraft zu werden“, sagte Dr. Turners Sohn Edward.
Vor ihrem Tod hatte die Ärztin rund 100 Briefe an Freunde, Kollegen und auch Politiker geschrieben. Die Briefe wurden gestern abgeschickt. Darin erklärt sie, warum sie sich für den Freitod entschied. Ärztliche Sterbehilfe ist in Großbritannien illegal. Zwar setzen sich diverse Organisationen seit Jahrzehnten für eine Liberalisierung der Gesetze ein. Bislang jedoch vergebens. /KT
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