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Wissenschaftsrat fordert mehr Freiheiten und unterschiedliche Profile für die Universitäten

Montag, 30. Januar 2006

Berlin - Nach Ansicht des Wissenschaftsrats muss das Hochschulsystem stärker differenziert werden. Die Universitäten sollten sich auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren können, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Sie sollten einen großen Teil ihrer Absolventen gezielter als bisher darauf vorbereiten, wissenschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten in Tätigkeiten außerhalb der Forschung anzuwenden. Der Rat empfiehlt, die Studienplatzkapazitäten der Hochschulen zügig auszubauen. Nur so könne man dem erwarteten deutlichen Anstieg von Studienanfängern gerecht werden. 

Während seiner Wintersitzungen vom 25. bis 27. Januar beschäftigte sich der Wissenschaftsrat zudem mit möglichen Kooperationen der Universitätsmedizin mit Unternehmen der Privatwirtschaft. Aus den Freiräumen, wie sie für private Unternehmen kennzeichnend sind, sollten Optionen für eine weitere Deregulierung staatlicher Universitätsklinika abgeleitet werden , heißt es in seinen jüngsten Empfehlungen. „Man sollte bei der Diskussion über die Zukunftssicherung der Universitätsmedizin nicht immer nur an Privatisierungen denken“, erklärte Prof. Dr. med. Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Wissenschaftsrates. „Vielmehr müssen wir dafür sorgen, dass auch Universitätsklinika in öffentlicher Trägerschaft wettbewerbsfähig werden. Dafür müssen ihnen mehr unternehmerische Freiheiten gewährt werden.“ Die Länder sollten entsprechende Maßnahmen prüfen. 

Allerdings sei auch die vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft häufig sinnvoll: So genannte „Public Private Partnerships“ könnten in der Universitätsmedizin vor allem bei Bauvorhaben ein geeignetes Instrument sein, effizienter zu wirtschaften.

Wenn sich ein Land für die Privatisierung eines Universitätsklinikums insgesamt entscheide, müsse das Klinikum der Medizinischen Fakultät auch weiter der Forschung und Lehre dienen. „Das Land ist in der Pflicht, eine Balance zwischen den Interessen der Fachbereiche und des privaten Klinikums herzustellen. Dazu zählen die Mitgliedschaft beziehungsweise adäquate Mitwirkung des Dekans in der Geschäftsführung, eine abgestimmte Strukturplanung zwischen Klinikum und Fachbereich und die Garantie eines universitären Fächerspektrums“, hieß es aus dem Wissenschaftsrat.

Das bereits privatisierte Klinikum Gießen und Marburg beurteilt das Gremium positiv. Es werde in Zukunft den Anforderungen eines Universitätsklinikums gerecht werden können. Seit der Stellungnahme des Wissenschaftsrates von November 2005 habe das Land Hessen Änderungen vorgenommen, die deutlich machten, wie ernst es ihm sei, ein privates Klinikum an den Belangen von Forschung und Lehre auszurichten. ER/hil

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