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Systemischer Lupus erythematodes: Positive Erfahrungen mit autologer Stammzelltherapie

Donnerstag, 2. Februar 2006

Chicago - Für Patienten mit therapieresistentem systemischen Lupus erythematodes (SLE) wird seit einigen Jahren eine autologe Stammzelltransplantation als “Salvage”-Therapie erprobt. Nachdem eine europäische Studie vor zwei Jahren eine hohe therapiebedingte Sterblichkeit zu beklagen hatte, sind die Erfahrungen einer US-Klinik, die jetzt im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 527-535) vorgestellt werden, deutlich positiver.

Der SLE gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigenes Gewebe attackiert. Wenn die Erkrankung die viszeralen Organe einbezieht, kann es zu lebensgefährlichen Verläufen kommen. Oft ist die immunsuppressive Standardtherapie in diesem Stadium nicht mehr wirksam, und die Behandlungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft. In dieser Situation wird heute an einigen Zentren eine autologe Stammzelltherapie angeboten. Bei der Therapie werden zunächst körpereigene Stammzellen aus dem Knochenmark “geerntet” und im Labor vermehrt, um sie später dem Patienten intravenös wieder zuzuführen.

Die Therapie ist nur sinnvoll, wenn unmittelbar vor der Stammzelltherapie das körpereigene hämatopoetische Gewebe zerstört wird. Diese Myeloablation wird in der Regel mit einer Chemotherapie erzielt. Sie ist jedoch für den Patienten mit erheblichen Risiken verbunden, weswegen die Stammzelltherapie nur für Patienten mit einem lebensgefährlichen Verlauf einer SLE infrage kommt.

Vor zwei Jahren stellte die European League Against Rheumatism (EULAR) die Erfahrungen von 23 Zentren aus Europa (darunter die Charité) und China vor, die damals 53 Patienten behandelt hatten. Es kam zu zwölf Todesfällen, von denen sieben die Folge der Stammzelltherapie waren (Lupus 2004; 13: 168-176). 

Das Team um Richard Burt von der Universität Chicago hat 1997 die erste Transplantation durchgeführt und bis Januar 2005 insgesamt 50 Patienten behandelt. Von diesen Patienten verstarben zwei nach der Entnahme der Stammzellen, aber noch vor der Myeloablation. Diese Todesfälle waren also sicherlich nicht therapiebedingt. Unter den 48 übrigen Patienten gab es zwei Todesfälle. Ein Patient ist nach Einschätzung der Autoren an den Folgen des SLE gestorben, bei dem anderen handelte es sich um einen echten therapiebedingten Todesfall. Für die größere Sicherheit in der US-Fallserie macht Burt eine bessere Auswahl der Patienten sowie Unterschiede in der Behandlung verantwortlich. Auch die Erfahrung seiner Klinik mit Stammzelltransplantationen habe möglicherweise eine Rolle gespielt.

Die US-Mediziner glauben, dass die Therapie ausgereift genug ist, um in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht zu werden. Diese müsste prüfen, ob die Stammzelltherapie tatsächlich die Sterblichkeit der Patienten senkt. Die bisherigen Erfahrungen aus der US-Studie und der EULAR-Studie sind noch begrenzt. In der EULAR-Studie waren nach sechs Monaten noch 33 von 50 Patienten (66 Prozent) in Remission, von denen aber in den folgenden drei bis 40 Monaten zehn Patienten ein Rezidiv erlitten. In der US-Klinik beträgt die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate 84 Prozent und die Hälfte der Patienten war nach fünf Jahren noch ohne Rezidiv.

Damit ist man von der ursprünglichen Hoffnung, die Stammzelltherapie könnte eine Heilung der SLE bedeuten, sicherlich noch weit entfernt, wie Michelle Petri und Robert Brodsky von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore anmerken. Davon abgesehen sind die Editorialisten jedoch auch der Meinung, dass die Stammzelltherapie für die Mehrheit der Patienten eine substanzielle Verbesserung ihrer Situation bedeuten könnte (JAMA 2006; 295: 559-560). /rme

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