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Genetische Komponente der Eosinophilen Ösophagitis

Freitag, 3. Februar 2006

Cincinnati/Ohio - Die Pathogenese der Eosinophilen Ösophagitis ist offenbar eng an die Expression bestimmter Gene gebunden, die die Aktivierung von bestimmten Entzündungszellen steuern. Ein Beitrag im Journal of Clinical Investigation (2006 116: 536-547) liefert damit wichtige Hinweise zum Verständnis einer weithin unbekannten Erkrankung, die nach Ansicht von Experten indes häufiger ist als andere entzündliche Darmerkrankungen wie der Morbus Crohn.

Die Eosinophile Ösophagitis wurde erstmals 1977 beschrieben. Die Einführung der Endoskopie machte die Entdeckung möglich, da ihr zentrales Kennzeichen, eine Ansammlung von eosinophilen Granulozyten in der entzündeten Ösophagusschleimhaut, erst bei der histologischen Untersuchung einer Gewebeprobe sichtbar wird. Die Beschwerden gleichen weitgehend denen einer Refluxerkrankung, mit der sie in früheren Zeiten regelmäßig verwechselt worden sein dürfte. Der Unterschied besteht darin, dass säurehemmende Medikamente wirkungslos sind.

Die Ansammlung der „Eosinophilen“ deutet auf eine allergische Genese hin. So lässt sich bei vielen Patienten eine Unverträglichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel nachweisen. Dies schließt – wie bei anderen allergischen Erkrankungen – eine genetische Komponente nicht aus.

Einer Arbeitsgruppe US-amerikanischer Forscher unter Leitung von Marc Rothenberg vom Cincinnati Center for Eosinophilic Disorders ist es jetzt gelungen, ein Gen zu identifizieren, das in den Läsionen vermehrt abgelesen wird. Es kodiert die Erbinformation für das Protein Eotaxin-3 (auch CCL26 genannt), ein Zytokin mit einer stark „anziehenden“ Wirkung auf eosinophile Granulozyten. Die Konzentration der Messenger-RNA dieses Gens war in den Läsionen um den Faktor 100 stärker als bei Kontrollpersonen. Die Forscher konnten weiterhin zeigen, dass Mäuse, denen das Gen fehlt, nicht an einer Eosinophilen Ösophagitis erkranken. Das beweist nicht, dass Eotaxin-3 die Ursache der Erkrankung ist. Dem Eiweiß kommt aber zweifellos eine wichtige Bedeutung in der Pathogenese zu. Daher spekulieren die Forscher nicht zu Unrecht, dass dieser Faktor ein Ansatzpunkt für eine mögliche Therapie sein könnte.

Kürzlich hatte die Gruppe um Rothenberg berichtet, dass die Inzidenz der Eosinophilen Ösophagitis in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Rothenberg schätzt die Häufigkeit auf 4,3/10.000 Kinder. Sie wäre damit in dieser Altersgruppe häufiger als der Morbus Crohn. Ob die Zunahme echt ist oder Folge einer vermehrten Aufmerksamkeit der Ärzte, ist unklar. Ein Verdacht auf eine Eosinophile Ösophagitis besteht laut Rothenberg immer dann, wenn eine vermeintliche Reflux-Ösophagitis sich unter der Behandlung mit Säureblockern nicht bessert. Die Erkrankung wird überwiegend bei Jungen gesehen und hat ihren Altersgipfel im Kindesalter. /rme

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