Schnelltest für MRSA beschleunigt Patienten-Isolierung auf Intensivstationen
Montag, 6. Februar 2006
Genf - Ein in der Schweiz entwickelter Schnelltest zum Nachweis von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) hat in einer Studie in Critical Care (2006, 10: R25) die Zeit bis zur Übermittlung des Ergebnisses um 75 Prozent verkürzt. An der Universität Genf liegen die Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden nach der Abstrichentnahme vor, was auf der internistischen, nicht aber auch der chirurgischen Intensivstation die Ausbreitung der Erreger stoppen konnte.
Vergrößerung eines Stamms des Bakteriums Staphylococcus aureus /dpa
Anzeige
Der Nachweis von MRSA erfordert bisher mehrere Tage. Die Bakterien müssen zunächst in Kulturen vermehrt werden, bevor ihre Empfindlichkeit auf unterschiedliche Antibiotika bestimmt werden kann. Ergebnisse liegen frühestens nach 48 bis 96 Stunden vor. Gensonden sind wesentlich schneller. Der von Stephan Harbarth und Mitarbeitern der Universitätsklinik in Genf entwickelte Test, der das mecA-Gen nachweist, verkürzte die Laborarbeit von 72 auf 7,2 Stunden. Wenn man noch die 6,3 Stunden addiert, die von der Aufnahme der Patienten auf Intensivstation bis zur Entnahme des Abstriches vergingen, sowie jene 3,6 Stunden, die der Transport in das Labor durchschnittlich dauerte, dann lag das Ergebnis in weniger als 24 Stunden nach der Aufnahme des Patienten vor, sodass infizierte Patienten bereits am zweiten Kliniktag isoliert werden konnten.
Die Prävention nosokomialer MRSA-Infektionen funktionierte auf der internistischen Intensivstation der Klinik sehr gut. Die Rate der auf der Intensivstation neu erworbenen MRSA-Infektion ging um 70 Prozent zurück (relatives Risiko 0,3; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,1-0,7). Auf der chirurgischen Intensivstation konnte zwar die Zahl der unnötigen Isolierungen (bis zum Vorliegen der Ergebnisse) verringert werden. Die Rate der MRSA-Neuinfektionen auf der Station blieb jedoch konstant, was Harbarth auf die personalintensivere Betreuung auf der chirurgischen Intensivstation zurückführt. Mit der erhöhten Zahl der Kontakte von Arzt oder Pflegern mit den Patienten steigt auch das Infektionsrisiko. Die Einführung von MRSA-Schnelltests ist deshalb kein Selbstläufer. Wenn es nicht gelingt, die Infektionsketten auf Station zu durchbrechen, wird der MRSA-Test wohl nur zu einem Anstieg der Laborkosten führen.
Das Schweizer Team ist nicht der erste und einzige Anbieter von Schnelltests. Sie sind aber, nach eigener Einschätzung, die erste Gruppe, die detaillierte Angaben zu den Intervallen von der Aufnahme des Patienten bis zur Entnahme des Abstriches gibt. /rme
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.