7.836 News Medizin

Medizin

Liquormarker sagt Alzheimer voraus

Montag, 6. Februar 2006

Göteborg - Bestandteile der Alzheimer-Plaques lassen sich bereits bei Menschen mit „minimal cognitive impairment, MCI”, der Vorstufe der Demenz, im Liquor nachweisen. Eine Pilotstudie in Lancet Neurology (2006; doi:10.1016/S1474-4422(06)70355-6) erzielte eine beachtliche Zuverlässigkeit in der Vorhersage einer späteren Alzheimer-Erkrankung. Der Test könnte zunächst für die Planung von klinischen Studien zur Frühbehandlung interessant sein.

Die Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich meist sehr langsam über einen Zeitraum von mehreren Jahren, wenn nicht Jahrzehnten hinweg. Bevor sich die Demenz manifestiert, kommt es häufig zu einer Phase leichter Gedächtnisstörungen, die mehr oder weniger unscharf definiert als leichte kognitive Beeinträchtigung bezeichnet werden oder in der Abkürzung des englischen Fachterminus als MCI. Zwischen 40 und 60 Prozent der Patienten mit MCI entwickeln in den nächsten fünf Jahren eine Alzheimer-Demenz, schreibt die Arbeitsgruppe um Kaj Blennow von der Sahlgrenska Universität in Göteborg. Da in diesem Stadium die Hirnveränderungen noch nicht allzu weit fortgeschritten sind, wären diese Patienten ideale Kandidaten für eine vorbeugende oder den Verlauf stabilisierende Behandlung, für die es eine Reihe von experimentellen Ansätzen gibt wie so genannte Beta-Faltblatt-Brecher („beta-sheet breaker“), Beta-Sekretase-Inhibitoren oder die Amyloid-1-42-Immunotherapie. 

Für die klinischen Studien mit diesen Mitteln muss die Teilnahme möglichst auf jene Gruppe der MCI-Patienten beschränkt werden, die von einer Demenz bedroht sind. Ansonsten würden unnötig Menschen mit gutartigen Störungen exponiert. Zudem würde die Chance sinken, dass eine vorhandene Wirkung in einer Studie erkannt würde.

Schon vor einigen Jahren war entdeckt worden, dass die Bestandteile der senilen Plaques auch in den Liquor cerebrospinalis gespült werden, wo sie bei einer einfachen Lumbalpunktion nachweisbar sind. Die Gruppe hat jetzt untersucht, ob die Proteine Beta-Amyloid, Gesamt-Tau und das phosphorylierte Tau im Liquor als Biomarker verwendet werden können. Zu diesem Punkt sind in den letzten Jahren bereits vereinzelte Studien erschienen, aber keine hatte eine vergleichbare Nachbeobachtungszeit wie die Studie der schwedischen Alzheimer-Forscher. Diese konnten bisher 180 Patienten mit klinischer MCI über einen Zeitraum von 4 bis 6 Jahren nachbeobachten. Von diesen sind bisher 57 an einem Morbus Alzheimer erkrankt, weitere 21 Patienten haben eine Demenz anderer Genese entwickelt, während der Zustand bei den übrigen Menschen mit MCI stabil blieb.

Die Kombination aus Gesamt-Tau und Beta-Amyloid kann nach den jetzt mitgeteilten Ergebnissen einen späteren Morbus Alzheimer mit einer Sensitivität von 95 Prozent und einer Spezifität von 83 Prozent vorhersagen. Wenn sich die Ergebnisse in anderen Studien reproduzieren lassen, könnte der Test die Grundlage für die Planung von klinischen Studien sein. Bis ein derartiger Test in die klinische Praxis eingeführt wird, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen. /rme

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
7.836 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in