US-Studie: „Handys im OP vermeiden Behandlungsfehler“
Dienstag, 7. Februar 2006
New York - Aus Angst vor einer Störung technischer Geräte verbieten die meisten Krankenhäuser den Gebrauch von Handys. Viele Chirurgen dürften nicht unbedingt amüsiert sein, wenn während der Operation plötzlich das Handy des Anästhesisten läutet. Dies scheint in den USA aber immer häufiger der Fall zu sein, glaubt man einer Umfrage in Anesthesia & Analgesia (2006 102: 535-541).
Der Anästhesiologe Roy Soto von der Stony Brook Universität in New York ließ 2003 auf der Jahrestagung der American Society of Anesthesiologists 7.878 Fragebögen verteilen. Dort sollten die Anästhesisten ihre bevorzugten Kommunikationsmittel im OP und auf Intensivstation angeben sowie deren Einfluss auf Kommunikation und die Vermeidung medizinischer Irrtümer beurteilen. Immerhin 4.018 Antworten trafen ein. Sie zeigten, dass neben den Pagern, die von 65 Prozent der Anästhesisten bevorzugt werden, immerhin schon 17 Prozent ihr Handy als bevorzugtes Kommunikationsmittel benutzten. Jeder zweite Handy-Nutzer setzte sich dabei übrigens über die Verbote in seiner Klinik hinweg.
Ein Vorteil des Handys ist die schnellere Erreichbarkeit, da beim Pager ja zunächst ein Telefon aufgesucht werden muss. Die Folge: Nur 31 Prozent der Handy-Nutzer gaben Verzögerungen der Kommunikationen an im Vergleich zu 45 Prozent der Pager-Nutzer. Auch die Zahl der medizinischen Irrtümer war aus Sicht der Narkose-Ärzte nach Handygebrauch geringer. Roy Soto errechnet eine Reduktion der Fehlerrate um 22 Prozent (relatives Risiko 0,78; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,6234–0,9649).
Nur 2,4 Prozent der Narkoseärzte berichteten über „Interferenzen“ der Handys mit den im OP sehr zahlreich vorhandenen Medizingeräten. Laut Soto sind die meisten Geräte heute sehr gut gegen äußere elektromagnetische Felder abgeschirmt, sodass das Risiko einer Patientenschädigung, das bei der Einführung der Handys (in den USA) vor zwei Jahrzehnten noch vorhanden war, heute sehr gering sei. /rme
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