Benigne Prostatahyperplasie: Sägepalmenextrakt nur ein Placebo
Donnerstag, 9. Februar 2006
San Francisco - Extrakte aus den Früchten der Sägepalme (Serenoa repens) sind auch in Deutschland ein beliebtes Mittel zur Selbstbehandlung der Benignen Prostatahyperplasie (BPH). In einer in den USA durchgeführten randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (2006; 354: 557-566) erzielte das dort verwendete Präparat jedoch keine bessere Wirkung als Placebo.
Unter den zahllosen pflanzlichen Urologika erfreuten sich Sägepalmextrakte einer großen Beliebtheit. In den vergangenen Jahren wurde auch eine Reihe von Studien publiziert, die zumindest eine schwache Wirkung erwarten lassen, was den Extrakten schließlich auch in einer systematischen Analyse konstatiert wurde (Cochrane Database Syst Rev. 2002;(3):CD001423). Die dort zusammengefassten 21 Studien, von denen 18 doppelblind waren, hatten jedoch eine kleine Teilnehmerzahl und eine kurze Beobachtungszeit. Nur in einer Studie war ein dem AUASI (American Urological Association Symptom Index) vergleichbares Instrument als Maß der Beschwerden eingesetzt worden.
Die jetzt von Stephen Bent vom San Francisco VA Medical Center vorgelegte Studie vermeidet diese Nachteile. An der Studie beteiligten sich 225 Männer im Alter von 49 Jahren mit mittleren oder schweren Beschwerden (AUASI-Score >8, Maximaler Harnfluss <15 ml/sec). Sie nahmen zweimal täglich ein Extrakt mit 160 mg Sägepalmenextrakt oder Placebo ein. Primäre Endpunkte waren die Veränderungen im AUASI-Score und im maximalen Harnfluss. Nach dem Ende der 48-wöchigen Behandlungsphase waren in beiden Parametern keine signifikanten Unterschiede erkennbar. Auch in Subgruppen-Analysen fanden sich keine Hinweise auf eine Wirkung. Danach haben auch Patienten mit starker Vergrößerung der Prostata oder solche mit sehr ausgeprägten Symptomen keinen Vorteil durch die Einnahme der Medikamente, die Kassenpatienten in Deutschland seit dem GKV-Modernisierungsgesetz aus dem Jahr 2004 selbst bezahlen müssen.
Den Unterschied zu den anderen Studien führt Bent auf die Zusammensetzung des Placebos zurück. Man habe viel Mühe verwandt, um den stechenden Geschmack des Extraktes zu imitieren. An ihm hätten viele Teilnehmer früherer Studien möglicherweise erkennen können, auf welche Gruppe sie randomisiert wurden. Für Bent sind die Ergebnisse ein deutlicher Hinweis auf die fehlende Wirkung von Sägepalmextrakten. Eine endgültige Klärung erwartet er von einer größeren Studie der National Institutes of Health, an der mehrere hundert Patienten an 11 Zentren in den USA teilnehmen sollen. /rme
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