Genmutationen erhöhen Risiko für schwere Malaria
Freitag, 17. Februar 2006
Berlin – Genmutationen, die das Immunsystem betreffen, erhöhen offenbar das Risiko für einen schweren Verlauf einer Malariainfektion bei Kindern in Afrika. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Frank Mockenhaupt und Ralf Schumann von der Charité (Berlin) in der Zeitschrift Proceedings of the National Acadamy of Sciences (PNAS 2006; 103: 177-182).
Die beschriebenen Genmutationen betreffen einen Rezeptor namens „Toll-like receptor 4“ (TLR-4). Diese Rezeptoren können bestimmte Erreger erkennen. Sie geben dann ein Signal, damit die Zellen Abwehrstoffe und schließlich Antikörper produzieren, um die Eindringlinge zu bekämpfen. TLR-4 reagiert wie der verwandte Rezeptor TLR-2 auf Plasmodium falciparum, den bedrohlichsten von vier Malariaerregern. Schon eine einzige Aminosäure, die im Aufbau des Rezeptors abweicht, kann dessen Struktur jedoch so verändern, dass er den Erreger schlecht oder nicht mehr erkennt.
Die Studie der Berliner Wissenschaftler in Ghana hat nun gezeigt, dass die untersuchten Kinder ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Malaria tragen, wenn sie zwei bestimmte Varianten von TLR-4 aufweisen. TLR-2 Rezeptorvarianten, die in Europa häufig sind, fehlen bei den afrikanischen Kindern hingegen völlig, was auf eine Selektion hindeutet: Träger von TLR-2 Varianten könnten in Malariagebieten vermutlich nicht überleben.
Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die Veränderung des TLR-4 Rezeptors auch Auswirkungen auf Malaria-Impfstoffe haben könne: Die Impfstoffe regten die Antikörperproduktion an, in dem sie an die Rezeptoren andockten und sie so aktivierten. Sei der Rezeptor verändert, bleibe auch die Aktivierung durch die Impfstoffe aus oder sei vermindert. /hil
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