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Lumbalgie: Akupressur zeigt in Studie bessere Wirkung als Ergotherapie

Freitag, 17. Februar 2006

Taipeh/Taiwan - Ein Akupressurtherapeut der Universität Taipeh hat in einer randomisierten kontrollierten Studie ein glückliches Händchen bewiesen. Seine Behandlungsergebnisse waren besser als bei einer konventionellen Ergotherapie, wie eine Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2006; doi:10.1136/bmj.38744.672616.AE) zeigt.

Die Gruppe um Tony Hsiu-Hsi Chen vom Institut für Präventivmedizin an der Nationalen Universität Taiwan hatte bereits in einer früheren Publikation (Preventive Medicine 2004; 39:168-176) die Fachwelt von der Wirksamkeit der Akupressur bei der Lumbalgie zu überzeugen versucht. Die damalige Studie war aber wegen methodologischen Schwächen (keine standardisierte Schmerzermittlung, keine Endpunkte zu funktionellen Ergebnissen und Behinderungen) kritisiert worden. Diese Fehler wurden in der aktuellen Studie vermieden.

Endpunkt war eine chinesische Version des Roland and Morris Disability Fragebogens, den die Patienten vor der Behandlung, nach den sechs Therapien (innerhalb eines Monats) und sechs Monate später ausfüllten. Erhoben wurde außerdem der Oswestry Disability Index, mit dem die  funktionellen Störungen bei Lumbalgie gemessen werden. Außerdem gaben die Teilnehmer die Intensität ihrer Schmerzen auf einer visuellen Analogskala an. Nur auf einen Fragebogen zur Lebensqualität (EuroQoL) wurde verzichtet. Er hatte sich in einer Pilotstudie als schwierig erwiesen. Kulturelle Unterschiede zwischen China und Europa mögen hier eine Rolle gespielt haben.

An der Studie nahmen 129 Patienten teil, die seit mindestens 4 Monaten an einer Lumbalgie litten. Sie wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In einer Gruppe wurde eine „westliche“ Ergotherapie durchgeführt, die neben den körperlichen Übungen mit Dehnungen und Bewegungen der Wirbelsäule auch Thermo- und Rotlichtbehandlungen sowie eine „elektrische Stimulation“ umfasste. In der anderen Gruppe wurde eine traditionelle chinesische Akupressur durchgeführt. Eine Doppelblind-Studie war nicht möglich, da es im Gegensatz zur Akupunktur keine Schein-Behandlung der Akupressur gibt.

Dennoch glauben Hsiu-Hsi Chen und Mitarbeiter nicht, dass psychologische Faktoren, etwa die Erwartung einer positiven Wirkung, die Überlegenheit der Akupressur erklären. Die chinesischen Patienten stünden der westlichen Ergotherapie sehr aufgeschlossen gegenüber, schreiben sie. Auch eine Selektion der Patienten durch den Therapeuten, der allein entschied, ob er eine Ergotherapie oder eine Akupressur durchführte, sei unwahrscheinlich, versichern die Autoren. Dem Therapeuten - alle Akupressuren wurden von derselben Person durchgeführt - sei vor der Therapieentscheidung nicht bekannt gewesen, wie stark die Beschwerden der Patienten waren. Und die Auswertung der Daten sei von „geblindeten“ Mitarbeitern durchgeführt worden.

Abgesehen von diesen methodologischen Einwänden erwies sich die „fernöstliche“ Therapie aber als effektiv. Der Roland and Morris Score sank nach dem Ende der Therapie deutlich von 9,2 auf 5,4 Punkte, und sechs Monate später war der Unterschied sogar noch deutlicher (6,7 versus 2,2 Punkte). Zu diesem Zeitpunkt gaben noch 8 Patienten der Ergotherapie-Gruppe schwere Behinderungen an, während es im Akupressur-Arm nur ein Patient war. Für die chinesischen Autoren besteht deshalb kein Zweifel an der Wirksamkeit der Akupressur und sie fordern westliche Mediziner auf, die Therapie doch einmal bei ihren Patienten zu evaluieren. /rme

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