Vogelgrippevirus auch auf dem Festland
Montag, 20. Februar 2006
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| ddp |
Rügen/Berlin - Fünf Tage nach dem ersten Nachweis von Vogelgrippe auf Rügen hat der Landkreis am Sonntagabend den Katastrophenfall ausgelöst. Der Landkreis sei nicht mehr in der Lage, mit eigenen Kräften die toten Wildvögel zu beseitigen, sagte Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) am Abend der Nachrichtenagentur ddp. Unterdessen erreichte die Vogelgrippe das Festland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Lage ernst und bot dem Landkreis Rügen im Kampf gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe weitere Hilfe an. Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, hält das Vorgehen gegen die Vogelgrippe derzeit für ausreichend.
Kassner sagte, die Zahl der Vogelkadaver erhöhe sich stündlich. Vor allem im Norden der Insel seien wieder Unmengen von toten Vögeln entdeckt worden. An Land und Bund sei die Bitte um personelle und technische Unterstützung gegangen. Mettenleiter sagte am Montag im ARD-„Morgenmagazin“, mehr könne man im Moment nicht tun. Die Bevölkerung warnte er davor, an Tierkadaver heranzugehen. Wer tote Vögel entdecke, solle sofort die Behörden informieren. Es komme jetzt insbesondere darauf an, das Eindringen des Virus H5N1 in die Nutzgeflügelbestände zu verhindern. Das sei momentan die größte Gefahr, sagte Mettenleiter. Infiziere das Virus Nutztiere, müsse das möglichst schnell erkannt und die Tiere getötet werden.
Das Friedrich-Loeffler-Institut teilte am Sonntagabend mit, bei zwei von fünf am Nachmittag untersuchten Vögeln vom Festland sei der auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 festgestellt worden. Dabei handle es sich um einen Bussard aus dem Kreis Ostvorpommern und eine Silbermöwe aus Nordvorpommern. Bis zum Wochenende waren Vogelgrippefälle nur auf der benachbarten Insel Rügen festgestellt worden - bis zum Wochenende bei 79 Tieren.
Merkel sagte nach einem Besuch des Krisenstabes auf Rügen, sollte sich herausstellen, dass die vorhandenen Kräfte nicht ausreichen, werde der Bund mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mittel helfen. Unterdessen begannen Spezialkräfte mit der Tötung von Hausgeflügel. Von der vorbeugenden Maßnahme seien besonders gefährdete Bestände betroffen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Dabei handle es sich um Vogelhaltungen, die in unmittelbarer Nähe von Fundorten toter und infizierter Wildvögel liegen und in der Vergangenheit per Ausnahmeregelungen die Freilandhaltung fortgesetzt hatten. Backhaus betonte, dass das Virus H5N1 bislang nicht bei Nutzgeflügel nachgewiesen wurde. Die Tötungen seien eine reine Vorsichtsmaßnahme. Auf Rügen werden derzeit von 796 Geflügelhaltern rund 400.000 Tiere gehalten.
Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte die Tötungen als „Aktionismus“ und forderte die Behörden zum Stopp auf. Der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, nannte die Tötungen ein „Paniksignal“ und kritisierte auch den Einsatz der Bundeswehr. Diese errichtete am Sonntag einen Desinfektionspunkt am Rügendamm. Auf der einzigen Autozufahrt nach Rügen dekontaminieren Spezialisten alle passierenden Fahrzeuge. Ein zweiter Desinfektionspunkt sollte ab Montag im Fährhafen Sassnitz-Mukran errichtet werden.
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hatte bei seinem Rügen-Besuch am Samstag eine konsequentere Absperrung des vermuteten Virenherdes an der Wittower Fähre gefordert. Mettenleiter sagte, es sei unverantwortlich, dass Journalisten das Aufsammeln der toten und infizierten Kadaver filmten und dann mit ihrer kontaminierten Ausrüstung in die Ställe gingen. /ddp
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