Machen Opiatdämpfe im OP-Saal Ärzte süchtig?
Montag, 20. Februar 2006
Gainesville/Florida - Das erhöhte Abhängigkeitsrisiko von Anästhesisten wurde bisher auf den leichteren „Zugriff“ auf hochpotente Opiate wie Fentanyl zurückgeführt. US-Wissenschaftler hegen jedoch einen anderen Verdacht. Der häufige Einsatz der an der Luft flüchtigen Opiate könnte zu einer unbeabsichtigten Exposition im Operationssaal führen, schreiben sie in Medical Hypotheses (2006; 66: 874-882).
Dass Anästhesiologen häufiger als andere Ärzte ein Drogenproblem haben, ist bekannt. Das zeigen auch Zahlen, die der Psychiater Mark Gold von der Universität von Florida in Gainesville mehrmals auf Kongressen des College on Problems of Drug Dependence vorgestellt hat: Jeder 20. Arzt in Florida ist ein Anästhesiologe. Ihr Anteil an den Ärzten, die sich wegen eines Abhängigkeitsproblem in Behandlung gegeben, beträgt dagegen 1:5. Und von den Ärzten mit einem Missbrauch von Fentanyl waren 93,8 Prozent über längere Zeit im Operationssaal beschäftigt.
Die nahe liegende Vermutung ist, dass die leichte Verfügbarkeit der Opiate die Ärzte zum Konsum verführt. Gold hält es jedoch für möglich, dass eine unbeabsichtigte Exposition über die Raumluft zur Sucht führt. In einem Operationsraum der Kardiothoraxchirurgie war das Opiat in der Raumluft nachzuweisen. Höhere Konzentrationen fanden sich in den Atemschläuchen und in den Behältern zur Entsorgung der Spritzen, mit denen das Opiat appliziert wird.
Gold befürchtet, dass die permanente Exposition, die durch die heutigen langen Operationszeiten begünstigt werde, zu einer „Sensibilisierung“ der Ärzte führen könnte, die sie schließlich zu unvernünftigen Schritten verleite. Gold verweist auf Studien zum Passivrauchen. Die Exposition von Kindern im Elternhaus sei ein nachgewiesener Grund für die erhöhte Rate von Tabakabhängigkeit im Erwachsenenalter. /rme
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