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Arthrose: Keine Schmerzlinderung durch orale Chrondoprotektiva

Donnerstag, 23. Februar 2006

Salt Lake City – So genannte Chondroprotektiva sollen die degenerativen Prozesse im Gelenkknorpel, die zur Arthrose führen, bremsen. Ein in den USA äußert populäres und auch in Deutschland vertriebenes Nahrungsergänzungsmittel war in einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 354: 795-808) jedoch nicht in der Lage, die Schmerzen besser zu lindern als ein Placebo. Ein Autor mag dennoch nicht alle Hoffnungen aufgeben.

Die Ergebnisse des Glucosamine/chondroitin Arthritis Intervention Trial (GAIT) waren von vielen US-Rheumatologen mit Spannung erwartet worden. Denn immer mehr Patienten greifen - nicht zuletzt infolge der Verunsicherung durch den Vioxx®-Skandal - zu Mitteln der Alternativmedizin. Besonders populär sind Präparate mit Glucosamin und Chondroitin. Beides sind Bestandteile des normalen Knorpels, deren Mangel zu Knorpelschäden führt. Ob die orale Zufuhr dieser Substanzen jedoch die Defekte ausgleichen kann, die Ursache für die schmerzhafte Degeneration der Gelenke bei der Arthrose sind, ist eine Frage, die in klinischen Studien geprüft werden müsste. Da die Hersteller die Präparate als Nahrungsergänzungsmittel vertreiben, müssen sie keine klinischen Studien zur Wirksamkeit durchführen.

Das US-National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) hat daher die Aufgabe übernommen, die Wirkung zu prüfen. Für 12,5 Millionen Dollar wurde eine groß angelegte Studie durchgeführt, in der 1.585 Patienten auf 5 Gruppen randomisiert wurden. Über 24 Wochen nahmen die Teilnehmer entweder Glucosaminhydrochlorid (1.500 mg), Chondroitinsulfat (1.200 mg), eine Kombination beider Mittel (gleiche Dosis), ein Placebo oder Celecoxib (200 mg) ein. Der Cox-2-Inhibitor, in den USA als Medikamente zur Behandlung von Arthroseschmerzen zugelassen, diente dabei als aktive Kontrolle. Primärer Endpunkt war eine 20-prozentige Reduktion im Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC), einem validierten Instrument zur Erfassung von Gelenkbeschwerden.

Im Ergebnis waren beide Chondroprotektiva, allein oder in Kombination, nicht besser als Placebo. Erstaunlich war die gute Placebo-Wirkung. 60 Prozent der Patienten erreichten eine 20-prozentige Reduktion im WOMAC. Im Glucosamin-Arm waren es nur 3,9 Prozent mehr (p = 0,30), im Chondroitin-Arm stieg die Responderrate gegenüber Placebo um 5,3 Prozent (p = 0,17) und unter der Kombination waren es 6,5 Prozent mehr (p = 0,09), was, wie die p-Werte zeigen, keine signifikante Verbesserung war. Eine signifikante Verbesserung trat einzig im Celecoxib-Arm auf, wo es 10,0 Prozent mehr Responder gab als unter Placebo (p = 0,008). Einzig in der Subgruppe der Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen wurde für die Kombination eine signifikant bessere Response als unter Placebo erzielt (79,2 versus 54,3 Prozent, p = 0,002). Doch dies vermag die GAIT-Autoren um Daniel Clegg von der Universität von Utah in Salt Lake City nicht von der Wirksamkeit der Präparate zu überzeugen.

Auch der Editorialist Marc Hochberg von der Universität von Maryland in Baltimore betrachtet die untersuchten Präparate als unwirksam, verweist aber darauf, dass noch nicht alle Ergebnissee der GAIT-Studie publiziert sind (NEJM 2006; 354: 858-860). Im weiteren Verlauf des Jahres werden die Ergebnisse zu den strukturellen Veränderungen am Knorpel erwartet, die vielleicht günstigere Auswirkungen zeigen. Dabei dürfte jedoch offen bleiben, welchen Nutzen die Patienten davon haben, wenn das Kardinalsymptom, der Schmerz, nicht gelindert wird. Dagegen könnte man einwenden, dass die Protektiva erst nach einer längeren Einnahmedauer als einem halben Jahr ihre Wirkung entfalten. Der Beweis hierfür fehlt aber noch.

Streng genommen gilt der jetzt gezeigte „Null-Effekt“ nur für die untersuchten Präparate. Ein Kennzeichen von Präparaten der Alternativmedizin ist hingegen die oft unübersichtliche Vielfalt in der Zusammensetzung der Präparate. In der GAIT-Studie wurde Glucosaminhydrochlorid eingesetzt. Angeboten wird jedoch auch Glucosaminsulfat. Angesichts der in der GAIT-Studie nachgewiesenen guten Placebowirkung dürfte es den Anbietern von Chondroprotektiva deshalb auch in Zukunft nicht schwer fallen, die Patienten von der Wirkung ihrer Mittel zu überzeugen, für die die Patienten im Durchschnitt 20 bis 30 Euro pro Monat ausgeben. /rme 

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