Ausland

Frankreich: Ermittlungen nach Sterbehilfe für 22-Jährigen eingestellt

Dienstag, 28. Februar 2006

Lille - Rund zweieinhalb Jahre nach dem dramatischen Fall von Sterbehilfe für den jungen Vincent Humbert in Nordfrankreich ist das Verfahren gegen seine Mutter und seinen Arzt eingestellt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Montag gab die zuständige Untersuchungsrichterin damit ihrem Antrag statt. Marie Humbert und Frédéric Chaussoy hatten dem nach einem Unfall schwerstbehinderten Vincent Humbert im September 2003 auf seinen Wunsch hin das Sterben ermöglicht. Beiden drohten lange Strafen.

Die Richterin folgte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, „das moralische Element des Verstoßes“ hervorzuheben: Demnach hatten Humberts Mutter und der Mediziner Chaussoy unter „Zwang“ gehandelt. Vincent Humbert hatte Staatschef Jacques Chirac angefleht, ihm das „Recht zum Sterben“ zuzugestehen. Seine Mutter hatte dem querschnittgelähmten, stummen und fast blinden 22-Jährigen schließlich starke Narkosemittel verabreicht. Zwei Tage später stellte Chefarzt Chaussoy die lebenserhaltenden Maschinen ab.

Chaussoy hätte wegen vorsätzlicher Vergiftung lebenslange Haft gedroht. Marie Humbert hätte bei einer Verurteilung wegen des „Verabreichens giftiger Substanzen“ für fünf Jahre ins Gefängnis geschickt werden können. Der Fall hatte über Frankreich hinaus Aufsehen erregt und eine Debatte über Sterbehilfe ausgelöst. 

Im vergangenen April hat das französische Parlament eine Gesetzesänderung verabschiedet, die passive Sterbehilfe unter Auflagen erlaubt. Aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen, bleibt verboten - anders als von Marie Humbert und zahlreichen Unterstützern verlangt. /afp

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