7.834 News Medizin

Medizin

Kolonkarzinom: Überlebensgewinn durch intrahepatische Chemotherapie oder “FOLFOXIRI”

Dienstag, 28. Februar 2006

New York/San Francisco - Beim fortgeschrittenen kolorektalen Karzinom sind die Behandlungsmöglichkeiten beschränkt. Hoffnung auf eine Heilung besteht nicht, doch nach einer jetzt im Journal of Clinical Oncology (2006; 10.1200/JCO.2005.03.8166) publizierten Studie kann eine intrahepatische Chemotherapie die Überlebenszeit um mehrere Monate verlängern. In einer weiteren Studie, die auf dem „2006 Gastrointestinal Cancers Symposium“ vorgestellt wurden, erzielte eine intravenöse Chemotherapie nach dem „FOLFOXIRI“ beachtliche Ergebnisse.

Bei 60 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenem Kolorektalkarzinom ist die Leber die erste Station der Fernmetastasierung. Die Idee einer intrahepatischen Chemotherapie („hepatic arterial infusion“, HAI), bei der die Medikamente über einen Katheter in die Leberarterie infundiert werden, ist keine neue Idee. Doch noch nie wurden so viele Patienten in eine klinische Vergleichsstudie (ohne cross-over der Patienten) eingeschlossen, wie in der Studie 9481 der „Cancer and Leukemia Group B“ (CALGB 9481), wie Studienleiterin Nancy Kemeny vom New Yorker Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in der Pressemitteilung ausführt. Die Studie randomisierte 135 Patienten nach Resektion des Primärtumors auf eine konventionelle Chemotherapie (Fluorouracil plus Leucovorin an den Tagen 1 bis 5) oder auf eine HAI. Für die HAI wurde den Patienten laparoskopisch eine Medikamentenpumpe in das Abdomen implantiert, die über 14 Tage kontinuierlich Floxuridin, Dexamethason und Leucovorin in die Leberarterie leitete. In beiden Armen wurden die Zyklen im Abstand von 4 Wochen wiederholt.

Die jetzt vorgelegten Ergebnisse zeigen, dass die HAI nicht nur die Ansprechrate verbesserte (47 versus 24 Prozent, p = 0,012) und die Zeit bis zur erneuten Tumorprogression in der Leber (9,8 versus 7,3 Monate; p = 0,034) und außerhalb der Leber (7,7 versus 14,8 Monate; p = 0,029) hinauszögerte. Auch die Gesamtlebenszeit der Patienten wurde von 20 auf 24 Monate verlängert.

Dank der hochdosierten lokalen Applikation war die Verträglichkeit der HAI besser als bei den intravenösen Infusionen. Während es unter der konventionellen systemischen Chemotherapie zu den bekannten Nebenwirkungen wie Diarrhö, Neutropenie (45 versus 2 Prozent unter HAI) und Alopezie kam, blieben die Patienten im HAI-Arm hiervon weitgehend verschont. Es kam allerdings – nicht unerwartet - zu einer Schädigung der Leber (biliäre Toxizität 37 versus 15 Prozent; p = 0,05), sodass regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion Bestandteil der Therapie sein müssen. Der Überlebensgewinn war bei Männern (Überlebensdauer 29,4 versus 22,0 Monate) besser als bei Frauen (Überlebensdauer 20,1 versus 18,3 Monate).

Die Studie zeigt, dass die HAI eine wirksame und verträgliche Alternative zur konventionellen Chemotherapie ist. Da die Studie bereits 1996 begann, entspricht die Chemotherapie nicht mehr dem heutigen Stand. Die Teilnehmer beider Gruppen hätten jedoch Zugang zu neueren Medikamente erhalten, nachdem diese eingeführt wurden, versichert Dr. Kemeny.

Zu diesen neueren Medikamenten gehören Irinotecan und Oxaliplatin, die in einer italienischen Phase-III-Studie mit Fluorouracil/Leucovorin (5-FU) kombiniert wurden. Dieses FOLFOXIRI genannte Regime wurde an 244 Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom mit „FOLFIRI“ (Irinotecan plus 5FU, also ohne Oxaliplatin) verglichen. Nach den jetzt von Alfredo Falcone, Universität Pisa, auf dem „2006 Gastrointestinal Cancers Symposium“ mehrerer US-Fachgesellschaften vorgestellten Ergebnissen, war die Überlebenszeit unter FOLFOXIRI deutlich länger als unter FOLFIRI (22,6 versus 16,7 Monate). Der Preis war jedoch, da alle Zytostatika systemisch verabreicht wurden, eine erhöhte Toxizität unter FOLFOXIRI: Diarrhö, Erbrechen, Neuropathie und Neutropenie traten häufiger auf. Dennoch spricht der Überlebensgewinn nach Ansicht der italienischen Onkologen für die Option FOLFOXIRI. /rme

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
7.834 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in