Späte Schilddrüsenleiden der Atombombenüberlebenden
Mittwoch, 1. März 2006
Nagasaki - Die Auswirkungen der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki auf die Gesundheit der damals strahlenexponierten Bevölkerung sind auch nach mehr als einem halben Jahrhundert noch nachweisbar. Nach einer Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 1011-1022) leiden fast 45 Prozent der heute im Durchschnitt 70-Jährigen an krankhaften Veränderungen der Schilddrüse.
Misa Imaizumi und Mitarbeiter der Radiation Effects Research Foundation in Nagasaki haben zwischen 2000 und 2003 3.185 Menschen untersucht, die zu den Überlebenden der beiden Atombombenabwürfe am 6. August 1945 in Hiroshima und am 9. August 1945 in Nagasaki gehörten. Dabei standen die Auswirkungen auf die Schilddrüse im Mittelpunkt. Dieses Organ gilt als besonders strahlensensibel, vor allem bei Kindern, wie man seit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl weiß.
Tatsächlich hatten 44,8 Prozent der Strahlenexponierten eine Schilddrüsenerkrankung, Frauen (51 Prozent) häufiger als Männer (32,2 Prozent). Da Schilddrüsenerkrankungen im Alter generell zunehmen (bei Frauen mehr als bei Männern) können nicht alle diese Erkrankungen auf die Strahlenexposition in der Kindheit zurückgeführt werden. Am ehesten ist dies für Knoten und Tumoren denkbar. Bei 14,6 Prozent fanden die Untersucher knotige Veränderungen, bei 2,2 Prozent maligne Tumoren, bei 4,9 Prozent benigne Tumoren und bei 7,7 Prozent Zysten.
Um die Schadensrisiken (Hazard Ratio) zu bestimmen, hätte sich eine Fall-Kontroll-Studie angeboten. Die Autoren gingen einen anderen Weg. Sie setzen Strahlendosis und Prävalenz in Beziehung. Danach wären 28 Prozent der knotigen Veränderungen, 37 Prozent der malignen Tumoren, 31 Prozent der benignen Tumore und 25 Prozent der Zysten Folge der Strahlenexposition. Dagegen war für die häufigen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie den Morbus Basedow keine dosisabhängige Wirkung nachweisbar. Diese Erkrankungen werden jedoch auch nicht mit Strahlenexposition in Verbindung gebracht. /rme
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