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Neuer Impfstoff gegen Otitis media mit begrenzter Schutzwirkung

Freitag, 3. März 2006

Hradec Králové - Ein neuer polyvalenter Impfstoff hat in einer in Tschechien durchgeführten randomisierten kontrollierten Studie die Zahl der akuten Otitis-media-Erkrankungen bei Kleinkindern um etwa ein Drittel gesenkt. Ob der Impfstoff auch vor Atemwegserkrankungen schützt, die durch die gleichen Erreger ausgelöst werden, ist noch unklar. 

Die akute Otitis media gehört zu den häufigsten Erkrankungen in den ersten Lebensjahren. Wenn die Erkrankung durch Bakterien ausgelöst wird, sind Streptococcus pneumoniae und so genannte non-typisierbare Haemophilus influenzae die häufigsten Erreger. Gegen Streptococcus pneumoniae wurden bereits Impfstoffe entwickelt, die aber bei den überwiegend sehr jungen Patienten nicht genügend immunogen sind. Die Firma GlaxoSmithKline hat deshalb einen Impfstoff entwickelt, der speziell auf pädiatrische Patienten mit akuter Otitis media zugeschnitten ist. Die gentechnische Vakzine besteht aus 11 unterschiedlichen Stämmen von S. pneumoniae, die mit dem so genannten D-Protein von H. influenzae verbunden sind. Die Vakzine wurde jetzt in Tschechien an fast 5.000 Kindern getestet.

In der randomisierten kontrollierten Studie erhielten die Kinder im Alter von 3, 4, 5, und 12 bis 15 Monaten intramuskuläre Injektionen der neuen Vakzine oder (in der Kontrollgruppe) eines Hepatitis-Impfstoffes. Da nicht alle Mittelohrentzündungen durch die beiden Erreger ausgelöst werden, konnte kein absoluter Schutz erwartet werden. Es war jedoch eine statistisch signifikante protektive Wirkung nachweisbar, die die Gruppe um Roman Prymula von der Univerzite obrany in Hradec Králové im Lancet (2006; 367:740-748) als klinisch relevant bezeichnet. In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler jetzt untersuchen, ob der Impfstoff auch vor unteren Atemwegserkrankungen schützt, die häufig durch die gleichen Erreger ausgelöst werden.

In der Kontrollgruppe erkrankten bis zum Ende des 2. Lebensjahres 499 von 2.452 Kindern an einer ersten Episode einer akuten Otitis media. Bei den Geimpften wurden 333 Erkrankungen auf 2.455 Kinder diagnostiziert, was einen Rückgang um 33,6 Prozent bedeutet (95-Prozent-Konfidenzintervall 20,8-44,3). Bei den durch Pneumokokken ausgelösten Erkrankungen betrug die Reduktion sogar 52,6 Prozent, während die Schutzwirkung gegen nichttypisierbare H. influenzae mit 35,3 Prozent geringer ausfiel. Ob diese nicht optimale Schutzwirkung gegen die häufigsten bakteriellen Otitis-media-Erreger ausreicht, um den Impfstoff einzuführen, müssen die entsprechenden Fachgremien entscheiden.

In den Industrieländern, in denen es nur selten zu Todesfällen aufgrund einer Otitis media kommt, dürfte das Interesse an dem Impfstoff geringer sein als in den Entwicklungsländern, wo wegen der schlechten medizinischen Versorgung häufig mit Komplikationen zu rechnen ist. Die viermalige intramuskuläre Injektion der Vakzine dürfte in diesen Länden den breiten Einsatz jedoch erschweren. /rme

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