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Bundeswehr intensiviert psychologische Betreuung

Donnerstag, 9. März 2006

Berlin - Die Konfrontation mit Tod und Verwüstung im Auslandseinsatz führt bei Soldaten zu einer „psychischen Zeitbombe“. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), hervorgerufen durch traumatisierende Erlebnisse, treten erst nach Monaten und manchmal erst nach Jahren auf. Die Bundeswehr hat ein umfangreiches Netz psychologischer Betreuung für ihre Soldaten aufgebaut.

Das Verteidigungsministerium nennt Zahlen: Von 1996 bis Ende 2005 wurden in Krankenhäusern der Bundeswehr 1.550 Soldaten wegen psychischer Störungen, die sie in Auslandseinsätzen erlitten haben, ambulant oder stationär behandelt; davon 640 wegen einer PTBS und rund 910 wegen anderer „stressassoziierter psychischer Erkrankungen“. Gemessen an der Zahl der eingesetzten Soldaten bewegen sich die Gesamtzahlen der psychischen Störungen innerhalb der Bundeswehr damit im Bereich von ein bis zwei Prozent, weniger als ein Prozent für die PTBS. Sie seien damit im Vergleich zu den Zahlen anderer Armeen „unverändert niedrig“, hieß es im Ministerium.

Rund 200 Psychologen der Bundeswehr kümmern sich um Soldaten, die unter Wunden leiden, die keiner sehen kann: Sie leiden unter Angst verbunden mit Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit, Schwermut, Nervenschwäche, zerbrochenen Beziehungen, Vereinsamung, Panikanfällen, Bluthochdruck, Impotenz und sozialem Abstieg. Die Mediziner unterscheiden zwischen einer akuten Stresssituation und posttraumatischen Störungen.

Eine noch nie aufgetretene Dimension zeigen die Kriegsneurosen von Amerikanern als Folge des Vietnamkriegs. Mehr als einer Million US-Veteranen wurde offiziell ein PTBS attestiert. Wegen der langen Nachwirkungen wurde erst sieben Jahre nach Kriegsende der Begriff „Post-Traumatic Stress Disorder“ geprägt - Posttraumatische Belastungsstörung.

Etwa ein Drittel aller US-Soldaten muss sich nun nach der Rückkehr von Einsätzen im Irak psychologisch behandeln lassen. Das berichtet das Fachjournal „JAMA“ des amerikanischen Ärzteverbandes in seiner März-Ausgabe. Von 223.000 Irak-Veteranen wurden der Studie zufolge 31 Prozent mindestens ein Mal im ersten Jahr nach dem Kampfeinsatz ambulant betreut. Acht von zehn Soldaten mit PTBS hatten getötete oder verwundete Kameraden oder verstümmelte Zivilisten gesehen. /ddp

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