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Migränetherapie durch Verschluss eines offenen Foramen ovale

Mittwoch, 15. März 2006

Atlanta - Kann die Reparatur eines offenen Foramen ovale eine Migräne heilen? Dieser ungewöhnlichen Frage ging eine randomisierte kontrollierte Studie nach, deren erste Ergebnisse auf der Jahrestagung des American College of Cardiology vorgestellt wurden. Danach halbiert der Verschluss des Foramens die Rate der Kopfschmerzattacken, bringt sie aber nicht vollständig zum Verschwinden. 

Dem Kardiologen Peter Wilmshurst vom Royal Shrewsbury Hospital in Shrewsbury, England, war als einem der ersten aufgefallen, dass Patienten nach einem (aus anderem Grund vorgenommenen) Verschluss eines Foramen ovale häufig über eine Besserung der Migräne-Kopfschmerzen berichteten, besonders wenn bei ihnen eine so genannte Aura dem Kopfschmerz vorausgegangen war. Und Migränebeschwerden scheinen bei Personen mit offenem Foramen ovale besonders häufig zu sein.

In einer retrospektiven Analyse ließ Wilmshurst Patienten befragen, bei denen das Foramen ovale operativ geschlossen wurde, weil es zu einem Rechts-Links-Shunt geführt hatte. Die Indikation war die Vorbeugung einer Dekompressions-Erkrankung bei Tauchern oder die Schlaganfallprävention bei Patienten mit venösen Thrombosen gewesen. Jeder zweite berichtete, dass er vor der Operation an Migränebeschwerden gelitten hatte, und von diesen war wiederum jeder zweite nach der Operation frei von Migräneattacken (Lancet 2000; 356: 1648-51). Wilmshurst initiierte daraufhin eine randomisierte kontrollierte Studie. Dabei kam ein Katheter der Firma NMT Medical zum Einsatz. Er erlaubt einen Verschluss des Foramens über einen Katheter, der über die Leistenarterie bis ins linke Atrium vorgeschoben wird und an dessen Spitzen ein Schirm geöffnet werden kann, der das Foramen verschließt. Der minimalinvasive Eingriff dauert nur etwa eine Stunde. 

In der „Migraine Intervention with STARFlex Technology“ oder MIST-Studie nahmen an 15 Zentren in Großbritannien 432 Patienten teil. Es handelte sich um Migräne-Patienten mit Aura. Bei der Untersuchung der Teilnehmer fiel auf, dass ein ungewöhnlich großer Anteil, nämlich 60 Prozent einen Rechts-Links-Shunt hatte (während normalerweise ein Links-Rechts-Shunt besteht). Außerdem hatte jeder sechste Shunt-Patient ein ungewöhnlich großes Foramen ovale. 

Die Patienten wurden auf einen Katheter-Eingriff oder auf eine Scheinoperation randomisiert. Bei der Scheinoperation wurden die Patienten nur narkotisiert und ein kleiner Hautschnitt an der Leiste gesetzt, damit diese nach der Operation nicht erkennen konnten, ob das Foramen bei ihnen verschlossen worden war oder nicht.

Nach den in Atlanta vorgestellten Daten kam es nach dem Verschluss des Foramens zu einer Reduktion der Migränebelastung um 37 Prozent, während nach der Scheinoperation eine Verbesserung um 17 Prozent erzielt wurde. Die Migränebelastung war definiert als das Produkt der Kopfschmerzattacken mit ihrer Länge angegeben in Stunden. Die protektive Wirkung war signifikant, fiel aber weniger aus, als die Börsen-Analysten erwartet hatten, denen es ja mittlerweile immer häufiger vergönnt ist, medizinische Erfolge als erste zu beurteilen. Der Kurs der Aktie der Firma gab um 33 Prozent nach.

Wilmshurst und Mitarbeiter bleiben allerdings optimistisch. In den Nachfolgestudien (MIST-II und MIST-III) soll jetzt untersucht werden, welche Patienten am meisten von dem Eingriff profitieren. Von der Definition einer Indikationsgruppe, in der dann möglicherweise bessere Ergebnisse erzielt werden, könnte es abhängen, ob der Eingriff dereinst das Plazet der Zulassungsbehörden erhält. /rme

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