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Rückbildung der Koronarsklerose unter intensiver Statin-Therapie

Dienstag, 14. März 2006

Atlanta - Eine Atherosklerose in den Koronararterien galt bisher als irreversibel. Jetzt kommt erstmals eine Studie zu dem Ergebnis, dass eine äußerst aggressive lipidsenkende Therapie die Plaques, die das Gefäß stenosieren, verkleinert. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) positiv aufgenommen, obwohl sie mit einem nicht unumstrittenen Medikament erzielt wurden. 

An der Studie mit dem Akronym ASTEROID (A Study To Evaluate the Effect of Rosuvastatin On Intravascular Ultrasound-Derived Coronary Atheroma Burden) beteiligten sich an 53 Zentren in Nordamerika, Europa und Australien 507 Patienten, bei denen eine Koronarangiographie eine Koronarsklerose dokumentiert hatte. Dabei wurde das Volumen der Plaques mit einem Spezialkatheter mittels Ultraschall (intravaskulärer Ultraschall, IVUS) bestimmt. Die Patienten erhielten zwei Jahre lang den Lipidsenker Rosuvastatin in einer Dosierung von 40 mg/die. Es handelte sich um eine offene, einarmige Studie.

Da Rosuvastatin zu den stark wirkenden Statinen gehört, konnte das LDL-Cholesterin von 130,4 mg/dl um mehr als die  Hälfte auf 60,8 mg/dl gesenkt werden. Eine derart starke Reduktion wurde nach einer Pressemitteilung des ACC bisher in keiner der großen Statin-Studien erzielt. Auch der Anstieg des HDL-Cholesterins von 43,1 mg/dl auf 49,0 mg/dl sei bisher unerreicht. Diese äußerst aggressive Therapie hat nicht nur die Cholesterinwerte im Blut gesenkt. Die Kontrollangiographie nach 2 Jahren zeigte – erstmals wie die ACC betont – eine Reduktion des Plaque-Volumens um 7 bis 9 Prozent.

Trotz dieser beeindruckenden Wirkung beweisen die Ergebnisse nicht, dass die Patienten einen klinischen Nutzen aus dem Volumenrückgang der Plaques haben. Die Autoren unter Steven Nissen von der Cleveland Clinic erwarten dies zwar. Den Beweis kann aber nur eine randomisierte kontrollierte Studie erbringen, wie Nissen erklärte. Eine Schwäche der Studie ist das Fehlen einer Vergleichsgruppe.

Man kann erwarten, dass andere Statine eine ähnliche Wirkung erzielen. Allerdings sollen nur die neueren Medikamente in der Lage sein, den Cholesterinwert in den Bereich von 60 mg/dl zu senken. Dazu gehört der Wirkstoff Atorvastatin. Der Mitbewerber wies auch in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die Wirkung von Atorvastatin auf die Koronarsklerose derzeit in einer Mega-Studie an 25.000 Patienten untersucht werde. Endpunkt sei ebenfalls eine Änderung der Plaque-Größe im IVUS.

Klinische Studien dieser Art werden weitere Erkenntnisse zur Sicherheit der hochdosierten Statintherapie ergeben. Seit der Baycol®-Affäre – der Wirkstoff Cerivastatin wurde im Jahr 2001 wegen tödlicher Rhabdomyolysen zurückgezogen – sind die Arzneimittelbehörden in diesem Punkt sensibilisiert. Ein derartiges Risiko kann für andere Statine nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Bei Rosuvastatin war in Phase-III-Studien unter der höchsten Tagesdosierung von 80 mg eine vermehrte Zahl von schweren Myopathien aufgefallen. Daraufhin wurde die maximale Dosis auf 40 mg festgelegt, die in der aktuellen Studie eingesetzt wurde. Sie gilt nach Ansicht der FDA als sicher. Es gebe keine Hinweise auf eine erhöhte Rate von Rhabdomyolysen.

Die FDA veröffentlichte allerdings im Februar 2005 einen „Health Alert“, in dem die US-Ärzte zur Vorsicht bei der Verordnung ermahnt wurden. Anlass war eine pharmakokinetische Studie, nach der bei Patienten asiatischer Herkunft unter der Dosis von 40 mg erhöhte Wirkstoffspiegel beobachtet wurden. Eine im Mai 2005 in Circulation (2005, doi10.1161/CIRCULATIONAHA.105.555482) publizierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass zu Rosuvastatin häufiger als zu anderen Statinen unerwünschte Arzneimittelwirkungen gemeldet wurden. Dies mag allerdings auch mit der öffentlichen Aufmerksamkeit zusammenhängen, die diesem Wirkstoff in letzter Zeit zuteil wurde. Während des Vioxx®-Skandals hatte der FDA-Mitarbeiter David Graham Rosuvastatin öffentlich als eines von fünf Medikamenten genannt, deren Sicherheit von der Behörde damals (im November 2004) vernachlässigt wurde. In Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern ist Rosuvastatin nicht zugelassen. Der Hersteller hatte den Antrag im Schatten der Baycol-Affäre zurückgenommen. /rme

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