Krupp: Hohe Luftfeuchtigkeit ohne therapeutische Wirkung
Mittwoch, 15. März 2006
Toronto - Eltern von Kindern mit stenosierender Laryngotracheitis („Krupp“) wird häufig geraten, die Kinder im Anfall einer erhöhten Luftfeuchtigkeit zu exponieren. Doch in einer randomisierten kontrollierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 1274-1280) wurde dadurch keinerlei Wirkung erzielt.
Virusinfektionen im Kehlkopf können bei Kleinkindern wegen der engen anatomischen Verhältnisse im Larynx schnell einen bellenden Husten mit Atemnot auslösen. Schätzungsweise 5 Prozent aller Kinder unter 6 Jahren erleiden solche Krupp-Anfälle, die bei einem Prozent der Kinder zur Hospitalisierung führen. Eine sehr verbreitete Erstmaßnahme besteht darin, im Badezimmer den Wasserhahn der Dusche aufzudrehen, die Türen und Fenster zu schließen und die Kinder dann der steigenden Luftfeuchtigkeit auszusetzen, damit der Wasserdampf zu einem schnellen Abschwellen der Schleimhäute in den Atemwegen führt und die Kinder so wieder „genügend Luft bekommen“. Auch die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie rät in ihren Leitlinien zur „Zufuhr von feucht-kühler Luft“. Zu diesem Zweck werden auch spezielle Atemmasken, Luftbefeuchter oder „Zelte“ angeboten, deren Effektivität aber noch nicht in klinischen Studien geprüft wurden, wie Dennis Scolnik und Mitarbeiter vom Hospital for Sick Children der Universität Toronto kritisiert.
An der Klinik wurde erstmals eine Vergleichsstudie durchgeführt, an der 140 Kinder im Alter von 3 Monaten bis 10 Jahren mit mittelschwerem bis schwerem Krupp teilnahmen, die von den Eltern mit Kruppsymptomen in die Notfallabteilung der Klinik gebracht worden waren. Einem Drittel der Kinder wurde über einen Vernebler für 30 Minuten Luft zugeführt, deren Feuchtigkeit aber seitlich entwich und nicht in die Atemwege gelangte. Ein weiteres Drittel atmete Luft mit 40 Prozent Feuchtigkeit ein. Bei den anderen war die Luft zu 100 Prozent Feuchtigkeit-gesättigt. Die Vernebler erzeugten Wasserpartikel von einer mittleren Größe von 6,21 µm, die leicht bis in den Larynx vordringen konnten.
Eine Verbesserung der Beschwerden, gemessen im „Westley Croup“” Symptom-Score, blieb jedoch aus. Weder am Ende der Inhalation nach 30 Minuten, noch nach 60 Minuten gab es weder Unterschiede im Symptom-Score noch in Pulsrate, Atemfrequenz oder Sauerstoffsättigung. Auch die Ansprechrate war in allen Gruppen gleich, desgleichen der Anteil der Kinder, der medikamentös behandelt werden musste. Die kanadischen Pädiater raten deshalb den Eltern von der „Badezimmer-Methode“ ab, zumal diese nicht ohne Risiken ist, vor allem wenn sie zur besseren Dampfentwicklung mit heißem Wasser durchgeführt wird. Wenn die Eltern in der allgemeinen Aufregung nicht aufpassen, können sich die Kinder Verbrennungen zuziehen. Auch Elektrolytstörungen seien möglich. /rme
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.