Klinikärzte streiken - 4.000 Teilnehmer bei Streikkundgebung in Mainz
Donnerstag, 16. März 2006
Protestveranstaltung in Mainz /ddp
Mainz - An mehreren deutschen Universitätskliniken sind am Donnerstagmorgen Ärzte in den Streik getreten.
In Mainz beteiligten sich Ärzte mehrerer deutscher Uni-Kliniken an einer zentralen Auftaktveranstaltung zu den unbefristeten Ärztestreiks. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) zählte rund 4.000 Teilnehmer an der Großkundgebung.
Nach Angaben des MB traten Hunderte Mediziner in Freiburg, Heidelberg, München, Würzburg, Bonn, Essen, Halle und Mainz in den Ausstand. Auch Ärzte aus Abteilungen der Uni-Kliniken in Frankfurt am Main und Marburg schlossen sich kurzfristig den Streikaktionen an.
Mit dem Ausstand wollen die Ärzte unter anderem bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent mehr Gehalt durchsetzen. In einer Urabstimmung hatten 98,4 Prozent der Klinikärzte für den Streik gestimmt.
Der Vorsitzende des MB Frank Ulrich Montgomery sagte am Rande der Demonstration, ein solcher Tarifvertrag müsse Regelungen für "vernünftige Arbeitszeiten" enthalten. Es könne nicht sein, dass Ärzte bis zu 100 Stunden pro Woche arbeiteten. Zudem müsse die Bezahlung der Mediziner deutlich angehoben und die Honorierung der Bereitschaftsdienste neu geregelt werden. Montgomery fügte hinzu: "Es muss ein Gesamtpaket geschnürt werden, das die Arbeit für die Ärzte wieder attraktiv macht."
Derzeit seien nur punktuelle Streiks geplant, sagte Montgomery. Sollte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) als Arbeitgeberseite sich jedoch nicht zu Verhandlungen bereit erklären, könnten die Arbeitsniederlegungen deutlich ausgeweitet werden. "Es ist noch genug Eskalationspotenzial vorhanden", unterstrich der Verbandsvorsitzende. Montgomery betonte zugleich, dass während des Streiks alle Notfälle behandelt werden.
Anzeige
Streikaktionen auch in Halle /ddp
Der Verhandlungsführer der Länder in dem Tarifkonflikt, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), kritisierte die Streiks. „Ich bringe überhaupt gar kein Verständnis für den Streik auf, weil wir gute Angebote gemacht haben“, sagte Möllring im Nachrichtensender N24. Klar sei: „Wer 30 Prozent Gehaltserhöhung fordert in der heutigen Zeit - das kann doch nicht möglich sein.“ Am Freitag wollen die Ärzte als Zeichen des guten Willens wieder arbeiten. Ab Montag ist dann aber eine schrittweise Ausweitung der Arbeitsniederlegungen geplant. /ddp
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.