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Feinststaub: Reduktion von PM2,5 senkt kurzfristig die Sterblichkeit

Donnerstag, 16. März 2006

Boston - Die Senkung der Feinststaubbelastung hat in einigen US-Städten zu einer Verlängerung der Lebenserwartung geführt. Nach einer Publikation im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (AJRCCM 2006; 173: 667-672) sinkt die Mortalität bei einem relativ geringen Rückgang der Feinststaubkonzentration im Bereich von wenigen µg/m3 PM2,5. 

PM2,5 beschreibt alle Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer. Diese Feinststäube gelangen beim Einatmen bis in die Alveolen und von dort in den Kreislauf, was die mit Feinststäuben assoziierten kardiovaskulären Risiken plausibel macht. Im Unterschied dazu gelangen Feinstäube (PM10) nur bis in die oberen Atemwege.

Die neuen Daten stammen aus einer Extrapolation der sog. Harvard Six Cities Studie. Diese Studie hatte in den 70er- und 80er-Jahren erstmals einen Zusammenhang zwischen der Schadstoffbelastung in der Luft und der Sterblichkeit belegt. Die Ergebnisse hatten damals in den USA zu einer Senkung der Grenzwerte geführt, was sich nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen positiv auf die Lebenserwartung ausgewirkt hat.

In der aktuellen Studie hat Francine Laden von der Harvard Medical School den Zeitraum von 1990 bis 1998 ausgewertet. In dieser Zeit ging die PM2,5 in den sechs beteiligten Städten um 1 bis 7 µg/dl zurück. Auch diese vergleichsweise geringen Veränderungen hatten spürbare Auswirkungen auf die Mortalität. Die Autoren, die hoffentlich den Einfluss anderer Faktoren wie Rauchen ausreichend berücksichtigt haben, kommen auf folgende Zahlen: Die Gesamtsterblichkeit der Bevölkerung steige pro 10 µg/m3 Anstieg im PM2,5 um 16 Prozent (Rate Ratio 1,16; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,07-1,26), wobei diese Exposition im Jahre des Todes von entscheidender Bedeutung ist.

Interessanterweise hatte die Feinststaubkonzentration keinen Einfluss auf die Sterblichkeit an Lungenkrebs. Der Rückgang der Sterblichkeit war ausschließlich auf kardiovaskuläre und respiratorische Erkrankungen zurückzuführen. Bert Brunekreef vom Institute for Risk Assessment Science an der Universität Utrecht äußert im Editorial die Vermutung, dass sich die Feinststaub-Exposition auf einen „dynamischen Pool“ von suszeptiblen Personen auswirkt (AJRCCM 2006:2006: 581-582).
Die kurzfristig erkennbare Reduktion würde bedeuten, dass Maßnahmen zur Reduktion der Feinststaubkonzentration sich bereits nach kurzer Zeit positiv auswirken könnten. Eine erst vor wenigen Tagen im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 1127-1134) publizierte Studie war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Danach kommt es unmittelbar nach einem Anstieg der Feinststaubkonzentration in der Luft zu einem Anstieg der Hospitalisierungen von Begünstigten der staatlichen Gesundheitskasse für Senioren (Medicare). Jeder Anstieg der PM2,5-Werte um 10 µg/m3 war noch am gleichen Tag mit einem Anstieg der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 28 Prozent assoziiert. /rme

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