Ausland

Italienischer Minister wiederholt Euthanasie-Vorwürfe

Mittwoch, 22. März 2006

Den Haag - Der italienische Minister Carlo Giovanardi hat seine Vorwürfe der Tötung behinderter Neugeborener in den Niederlanden wiederholt. „In Nazi-Deutschland wurden Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung getötet“, zitiert die Tageszeitung „Trouw“ am Mittwoch aus einem Interview. „In den Niederlanden geschieht genau dasselbe. Es gibt keinen Unterschied.“

Nach niederländischem Gesetz ist aktive Sterbehilfe zulässig, wenn Patienten unerträglich leiden und keine Aussicht auf Heilung besteht. Das gilt auch für Neugeborene mit schwersten Behinderungen, sofern beide Elternteile zustimmen und der behandelnde Arzt eine weitere ärztliche Beurteilung einholt. Wenn diese Vorschriften eingehalten werden, gibt es keine strafrechtliche Verfolgung.

Der Politiker der christdemokratischen Partei UDC hatte vor Tagen im italienischen Rundfunk die Ansicht vertreten, dass die Nazi-Ideologie durch die niederländischen Euthanasie-Gesetze wieder in Europa vorkommen würde. Er sprach von einer „Debatte darüber, wie kranke Kinder ermordet werden können“. Die niederländische Regierung wies die Äußerungen Giovanardis als inakzeptabel zurück. Italienische Politiker brachten seine Angriffe mit den kommenden Kommunalwahlen in Verbindung.

Das „Nederlands Dagblad“ zitierte Giovanardi am Mittwoch mit dem Vorwurf, dass es in den Niederlanden legalisierten Mord an behinderten Babys gebe. „Nach meiner Ansicht kann kein Mensch entscheiden, ob jemand das Recht auf Leben hat, allein auf Grund der Beurteilung des geistigen oder körperlichen Zustands“, erläuterte er gegenüber der Zeitung. Dass todkranke Babys getötet werden dürfen, statt sie zu behandeln, sei bestürzend.

Nach Angaben von „Trouw“ gibt es in den Niederlanden jährlich durchschnittlich etwa 20 solcher Fälle bei Neugeborenen. Giovanardi zufolge sind im vorigen Jahr in den Niederlanden 1.000 kleine Kinder gestorben, 600 davon durch Euthanasie. /kna

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