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Pflegerat: Ärzte wollen ihre Vorherrschaft zementieren

Mittwoch, 29. März 2006

Marie-Luise Müller  /dpa

Berlin - Der Deutsche Pflegerat hat den Ärzten vorgehalten, mit den gegenwärtigen Streiks ihre Vorherrschaft im Gesundheitswesen zementieren zu wollen. Die Forderungen des Marburger Bundes bedeuteten eine „Entsolidarisierung“ in den Krankenhäusern, sagte Pflegerats-Präsidentin Marie-Luise Müller am Mittwoch in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Sie forderte eine Aufwertung der Pflegeberufe und kündigte zugleich Bemühungen um eine bessere Interessenvertretung an. Die Pflegenden wollten auf Augenhöhe mit den Medizinern zusammenarbeiten.

Müller räumte ein, dass viele Krankenhausärzte zu viel arbeiten müssten. Sie kritisierte jedoch, dass „die Krankenhausärzte von der organisierten Ärzteschaft dazu instrumentalisiert werden, die Vorherrschaft der Mediziner im Gesundheitswesen zu sichern und auszubauen“. Die langen Arbeitszeiten könnten auch durch ein „ganz neues Personalkonzept für die Krankenhäuser“ abgebaut werden. Dazu sehe sie aber wenig Bereitschaft.

Die Pflegerats-Präsidentin forderte eine Aufwertung des Pflegeberufs und eine Neuverteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen. Die Pflege habe sich in den vergangenen 15 Jahren stark professionalisiert. Insbesondere bei der Vorbeugung und Wundversorgung seien die Pflegenden den Ärzten voraus. „Und deshalb können die Pflegeberufe sowohl im Krankenhaus als auch in der ambulanten Versorgung eine größere Rolle übernehmen“, betonte Müller. „Das würde dann auch den Ärzten im Krankenhaus helfen, ihre inhumane Arbeitszeit abzubauen.“

Sie sprach sich für eine eigenständigere Arbeit der Pflegenden aus. Gerade in den Bereichen Wundversorgung, Ernährungstherapie oder Sturzvorbeugung wollten sie Hilfsmittel, Verbandsmaterial und Gehhilfen selbst verordnen können. Im stationären Bereich könnten Pflegekräfte nach Einschätzung des Pflegerates verstärkt Aufgaben der Organisation übernehmen. Das bedeute aber, dass ein entsprechender Teil des Geldes in Richtung Pflegeberufe umgeleitet werden müsse. Ein solches Modell würde den Medizinern mit Blick auf die zunehmende Zahl älterer Menschen und den Ärztemangel in einigen Regionen Luft verschaffen. /kna

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