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Diabetes und Hypertonie nach Lithotripsie

Montag, 10. April 2006

Rochester - Patienten, deren Nierensteine erfolgreich mittels extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL) behandelt wurden, erkranken nach einer Studie im Journal of Urology (2006 doi:10.1016/S0022-5347(05)00989-4) viele Jahre später häufiger an arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus. 

Die Anfang der 80er-Jahre von Ärzten des Universitätsklinikums Großhadern und Ingenieuren der Firma Dornier entwickelte ESWL ist heute international die Methode der Wahl zur Behandlung von Harnsteinen. Etwa 90 Prozent aller Nierensteine werden in den Industrieländern auf diese schonende Art zertrümmert. Abgesehen von den akuten Nebenwirkungen, die durch die Trümmer und deren Abgang verursacht werden, gilt die Therapie als nebenwirkungsarm. Langfristige Folgeschäden galten als selten. Angesichts der großen Erfahrungen überrascht es, dass ein bedeutendes Risiko wie die Induktion einer Hypertonie oder eines Diabetes übersehen werden könnten.

Aber genau das wollen Amy Krambeck und Mitarbeiter der renommierten Mayo Clinic in Rochester jetzt herausgefunden haben. Die Klinik gehörte zu den ersten, die die Lithotripsie im Jahr 1985 in den USA eingeführt hat. Die Urologen haben 2004 - 19 Jahre später - alle 578 noch lebenden Patienten aus dem ersten Jahr angeschrieben. Weniger als 60 Prozent (288) antworteten. In einer Fall-Kontroll-Studie wurde diese Kohorte einer Gruppe von Patienten gegenübergestellt, deren Nierensteine medikamentös behandelt wurden. Neunzehn Jahre nach der Lithotripsie hatten 36,4 Prozent der ESWL-behandelten Patienten eine Hypertonie entwickelt. In der Kontrollgruppe waren es nur 27,9 Prozent. Die Autoren errechnen eine Odds Ratio (OR) von 1,47, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,03 bis 2,10 knapp signifikant war (p = 0,034).

Noch deutlicher war der Unterschied bei den Diabeteserkrankungen. Im ESWL-Arm sind heute 16,8 Prozent an Diabetes erkrankt gegenüber 6,7 Prozent in der Kontrollgruppe. Nach Berücksichtigung des Body-Mass-Index ergibt dies ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko (OR 3,75: 1,56-9,02; p = 0,003). Beim Diabetes wurde auch eine Abhängigkeit des Erkrankungsrisiko von der Zahl und der Intensität der ESWL-Entladungen (p = 0,005 und 0,007) gefunden. 

Angesichts dieses Ausmaßes sind die Ergebnisse nicht ganz von der Hand zu weisen, auch wenn die geringe Rücklaufquote der Umfrage und das retrospektive Design einer Fall-Kontroll-Studie immer Unsicherheitsfaktoren bleiben. Große prospektive Studien waren aufgrund der überzeugenden guten Wirkung der ESWL nicht durchgeführt worden. Als nächstes wollen die Autoren ihre Hypothese in Tiermodellen überprüfen. Sie vermuten, dass die Stoßwellen auf ihrem Weg durch den Pankreas zu einer Zerstörung von Insulin produzierenden Beta-Zellen geführt haben könnten. Analog könnte die Hypertonie durch eine Schädigung von Zellen erklärt werden, die am Renin-Angiotensin-Systems beteiligt sind. Solange es keine tierexperimentellen Belege für diese Hypothesen gibt, dürften die Befunde nur wenige Urologen überzeugen. An der Mayo-Clinic sollen die Patienten jedoch in Zukunft auf die potenziellen langfristigen Risiken hingewiesen werden. /rme

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