Dienstag, 11. April 2006
Marburger Bund: 12.000 Uni-Ärzte in 26 Städten im Streik
Köln - Der Streik der Uni-Ärzte hat einen neuen Höhepunkt erreicht: In 26 Städten traten laut Marburger Bund (MB) am Dienstag 12.000 Mediziner in den Ausstand; mehr als 6.000 der Streikenden versammelten sich in Köln zu einer zentralen Demonstration. Bundesärztekammerpräsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe sicherte den Uni-Ärzten bei einer Protestkundgebung am Kölner Dom die Unterstützung aller Mediziner zu: „Die gesamte deutsche Ärzteschaft steht hinter Ihnen.“ Zugleich wurden in Köln die Tarifverhandlungen für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern fortgesetzt. Die Arbeitgeber wiesen kurz vor Gesprächsbeginn die Forderungen der Ärztegewerkschaft zurück.
Auch der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery erneuerte die Forderung der Klinikärzte nach einem "arztspezifischen Tarifvertrag". Die Schuld an dem Streik der Mediziner trügen "Leute, denen es nur um Machtpolitik im Krankenhaus oder um Machtpolitik insgesamt geht".
Hoppe forderte vor den Demonstranten in Köln, es müsse „Schluss sein mit den unerträglichen und ungesetzlichen Arbeitszeiten“ der 22.000 Uni-Ärzte. Die Arbeitsbedingungen an deutschen Krankenhäusern führten dazu, dass Medizinstudenten „jetzt schon im 3. Semester anfangen, Norwegisch zu lernen. Dieser Trend muss endlich gestoppt werden, damit wir das hohe Niveau der medizinischen Versorgung in Deutschland halten können“, so Hoppe. Zudem bedeute die Forderung des MB nach 30 Prozent höherer Vergütung nur den Ausgleich für Kürzungen der vergangenen Jahre und der systematischen Nicht-Vergütung millionenfach geleisteter Überstunden. Hoppe forderte darüber hinaus definierte Zeiträume für Forschung und Lehre. „Es ist keinesfalls hinnehmbar, dass Forschung und Lehre zur Privatsache erklärt werden. Mit einer Feierabendforschung, wie sie derzeit in Deutschland in der Medizin weit verbreitet ist, kann eine international konkurrenzfähige Position der medizinischen Wissenschaft nicht gehalten werden“, so der Bundesärztekammerpräsident. Um Nachrichten kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden. |
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