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Mumps: US-Epidemie deutet auf verminderte Immunogenität der MMR-Vakzine

Montag, 24. April 2006

Washington - Im Mittleren Westen der USA ist es zu der heftigsten Mumps-Epidemie seit 20 Jahren gekommen. Bei den meisten Infizierten handelt es sich um College-Studenten, die als Kinder die MMR-Impfung erhalten hatten.

Während die MMR einen 99-prozentigen Schutz gegen Masern und Röteln bietet, können dennoch etwa 10 Prozent der Geimpften später an Mumps erkranken. Wenn nur eine Impfung erfolgte, sind später 20 Prozent empfänglich für den so genannten Ziegenpeter. Bei Masern sind es den US- Medien zufolge 6 Prozent und bei Röteln 8 Prozent.

Da die meisten Kinder in den USA eine vollständige MMR-Impfung erhalten, konnten in den letzten Jahrzehnten größere Epidemien vermieden werden. Den letzten größeren Ausbruch hatte es im Jahr 1989 gegeben, als in Kansas 269 Kinder erkrankten. Seither wurden nur noch sporadisch Erkrankungen gemeldet. Viele Experten gingen schon davon aus, dass Mumps in den USA bald ausgestorben sein könnte. Dies sollte sich jedoch als Irrtum erweisen. Von Großbritannien aus, wo im letzten Jahr mehr als 43.000 Personen erkrankten, schwappte die Epidemie in den US-Staat Iowa über. Virologen konnten bereits belegen, dass es sich um den gleichen Virusstamm handelt. 

Den Beginn lokalisierten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) auf Iowa City oder Dubuque, den Namen der Universität wollten die Behörden aber aus Datenschutzgründen nicht nennen. Bislang sind im US-Staat Iowa und sieben anderen Staaten mehr als 1.300 Personen an Mumps erkrankt. Betroffen sind in erster Linie Studenten. Dass die Epidemie diese Altersgruppe traf, wurde zunächst als Zufall bewertet. Das enge Zusammenleben der Studenten in Mehrbettzimmern könnte die Ausbreitung der Epidemie gefördert haben. Wenn die offizielle Theorie vom lückenhaften MMR-Schutz stimmt, dann sollten jedoch auch Kinder erkranken.

Die US-Medien berichten jedoch überwiegend über Erkrankungen an Universitäten. Etwa die Hälfte der Patienten seien Studenten, heißt es. Einige Experten wie William Schaffner von der Vanderbilt Universität in Nashville haben deshalb Zweifel an der bisherigen Theorie, wonach vor allem primäre Impfversager erkranken. Gegenüber der New York Times äußerte der Experte die Vermutung, die Immunogenität der MMR-Impfung könne mit der Zeit nachlassen. Dann wären nicht nur 10 oder 20 Prozent der nicht oder unvollständig geimpften Erwachsenen gefährdet, sondern ein weitaus größerer Personenkreis. Die öffentlichen Behörden haben derweil begonnen, Studenten zu impfen.

In Iowa City wurde eine „Mumpsklinik“ eröffnet: 25.000 Personen im Alter von 18 bis 22 Jahren sollen geimpft werden. Ob dadurch eine weitere Ausbreitung verhindert werden kann oder ob die Epidemie die Ausmaße wie im letzten Jahr in Großbritannien erreicht, bleibt abzuwarten. Die CDC informieren auf einer Website Ärzte und Gesundheitspersonal ausführlich über die Erkrankung, mit der viele aufgrund der verbreiteten Impfung nicht mehr vertraut sind. /rme

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