US-Firma: DNA-Impfstoff schützt zu 100 Prozent vor Vogelgrippe
Mittwoch, 3. Mai 2006
Memphis - Hat eine kleine US-Firma einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Vogelgrippe erzielt? US-Wissenschaftler berichten, dass ein DNA-Impfstoff Mäuse und Frettchen zu 100 Prozent vor einer Erkrankung mit einem virulenten H5N1-Stamm der Vogelgrippe schützte. Eine Publikation der Studie steht jedoch noch aus.
Vical Incorporated in San Diego gehört zu jenen kleineren Biotechnologie-Firmen, die sich überwiegend über Risikokapital von der Börse finanzieren. Die Firma ist verpflichtet, regelmäßig Firmendaten zu veröffentlichen, die dann von den Analysten bewertet werden. Gestern präsentierte die Firma ihre jüngsten Quartalsergebnisse. Sie waren „gewürzt“ mit der Ankündigung von noch nicht publizierten Ergebnissen zu einem neuartigen Grippe-Impfstoff. Er wurde mit einer bestimmten Technologie hergestellt, dessen Patent das eigentliche Kapital der Firma ist. Mit dieser Technologie können so genannte DNA-Impfstoffe hergestellt werden.
Einer dieser Impfstoffe kombiniert drei Proteine von Grippe-Viren. Darunter sind das Nukleoprotein (NP) und das Matrixprotein (M2), in denen es nur selten zu Mutationen kommt, sowie das äußerst variable Protein H5. Die „konservierten“, das heißt unveränderlichen NP- und M2-Proteine eignen sich hervorragend für die Bildung eines Impfstoffes, der eine breite Wirkung erzielt. Im Prinzip könnte er sogar gleichzeitig vor einer Vogelgrippe und der humanen Influenza schützen. Damit stände auch die Chance sehr gut, dass der Impfstoff auch gegen das bisher noch hypothetische Pandemie-Virus wirksam sein könnte. Nach den Worten von Richard Webby, einem Wissenschaftler am St. Jude Children's Research Hospital in Memphis, wäre das der „Heilige Gral“ der Grippe-Impfung, zumal DNA-Impfstoffe nicht in Hühnereiern hergestellt werden müssten, was mehrere Monate dauert. DNA-Impfstoffe werden rekombinant mit Hilfe von Mikroorganismen hergestellt, was wesentlich schneller geht.
Webby war an den ersten Tierexperimenten beteiligt, in denen der drei Komponenten-Impfstoff mit NP, M2 und H5 an 16 Mäusen und 6 Frettchen getestet wurde. Der Impfstoff wurde mit einer weiteren Entwicklung der Firma versehen, einem speziellen Adjuvans, das die Immunogenität des Impfstoffes verstärken soll. Die Tierexperimente verliefen erfolgreich, alle geimpften Tiere überlebten eine Infektion mit dem hoch virulenten Stamm Vietnam/1203/2004 des H5N1-Virus, während in der Vergleichsgruppe alle Tiere an der Vogelgrippe starben.
In früheren Experimenten war ein anderer Impfstoff getestet worden, der nur auf NP und M2 besteht. Auch hier sollen die Tiere überlebt haben, wenn auch geschwächt mit einer deutlichen Gewichtsabnahme. Dass die Ergebnisse ausgerechnet anlässlich einer Wirtschaftspressekonferenz mitgeteilt werden, erhöht nicht unbedingt die Glaubwürdigkeit. Einzelheiten wird man wohl erst einer Publikation entnehmen können, die erfahrungsgemäß differenzierter ausfällt. /rme
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