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Erfolgreiche Langzeittherapie der konnatalen Toxoplasmose

Montag, 15. Mai 2006

Chicago - Während Infektionen mit Toxoplasma gondii bei den meisten Menschen folgenlos bleiben, kann eine transplazentare Übertragung zu schweren Behinderungen des Neugeborenen führen und unbehandelt sich weiter verschlimmern. Dagegen kann eine Therapie mit Pyrimethamin plus Sulfadiazin häufig Spätschäden vermeiden oder abmildern, wie die bisher erste Langzeitstudie in Clinical Infectious Disease (2006; 42; 1383-1394) zeigt.

Die National Collaborative Chicago-Based Congenital Toxoplasmosis Study beobachtet 120 Kinder aus den USA und Kanada, die zwischen 1981 und 2004 mit Pyrimethamin plus Sulfadiazin behandelt wurden. In den USA wird die Behandlung über ein Jahr durchgeführt, während das Robert Koch-Institut zunächst zu einem vierwöchigen Therapiezyklus mit eventueller Verlängerung auf ein Jahr rät. 

Von den 96 Kindern mit schweren Behinderungen, über die die US-Gruppe um Rima McLeod von der Universität Chicago berichtet, konnten 47 bislang über mehr als 7,5 Jahre nachbeobachtet werden, was eine erste Abschätzung der Spätschäden erlaubt. 80 Prozent dieser Kinder haben laut den Autoren heute eine normale motorische Entwicklung, was aber nicht unbedingt auf den kognitiven Bereich zutrifft. Bei 73 Prozent der Kinder mit schwerer Erkrankung nach der Geburt liegt der Intelligenzquotient (IQ) heute über 70. Immerhin konnte bei 84 Prozent ein Abfall des IQs, ein Zeichen einer weiterhin aktiven Infektion, verhindert werden. 

Die meisten Kinder mit schwerer Erkrankung hatten bei der Geburt eine Augenbeteiligung (die Retinochoroiditis gehört neben zerebralen Verkalkungen und Krampfanfällen zur klassischen Trias). Bei 85 Prozent der Kinder kam es zu einer gewissen Erholung, 64 Prozent hätten seit Beginn der Behandlung keine neuen Läsionen entwickelt, schreiben die US-Mediziner. 11 der 96 schwer erkrankten Kinder starben dennoch, neun davon an Infektionen der Atemwege als Folge der Toxoplasmose. Keiner der neun Todesfälle sei jedoch eine Folge der Therapie gewesen, schreiben die Autoren.

Von den 24 Kindern, die ohne oder nur mit mäßigen oder mittelschweren Krankheitszeichen geboren wurde, haben 11 mittlerweile ein Alter von 7,5 Jahren oder älter erreicht. Alle 24 Kinder hätten sich motorisch und kognitiv normal entwickelt, und sie wiesen keine Hörstörungen auf, so die Forscher. Lediglich bei einem Kind kam es zu einem Abfall des IQ um mehr als 15 Punkte, bei einem anderen Kind kam es zu neuen retinalen Läsionen. 

Diese Beispiele zeigen, dass die Infektion bei Neugeborenen kaum unterschätzt werden kann. Die US-Mediziner sind auch fest davon überzeugt, dass eine einjährige Therapie notwendig ist, auch wenn sie dies mangels Vergleichsgruppe nicht belegen können. Die früheren Erfahrungen mit einer einmonatigen Therapie seien sehr viele schlechter gewesen. /rme

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