Cholera wütet in Angola - Bereits 1.200 Tote
Donnerstag, 18. Mai 2006
Luanda - Die Cholera-Epidemie in Angola ist außer Kontrolle geraten. Die WHO gibt die Zahl der Erkrankten mit 35.775 an. 1.298 Menschen seien gestorben. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) beklagt sich über eine mangelnde Unterstützung seitens der Regierung.
Cholera-Epidemien sind bekannt für ihre explosionsartige Entwicklung. Diese droht immer dann, wenn Erreger, in diesem Fall Vibrio cholerae 01 Serotyp Inaba, aus den Fäkalien in das Trinkwasser gelangen kann. Dann kommt es zu einem Kreislauf, der die Erkrankungszahlen nach oben schnellen lässt. Diese Bedingungen sind perfekt gegeben in den Slums von Luanda, wo zwei Drittel der 4,5 Millionen Einwohner der Metropole des südafrikanischen Landes leben.
In den Shantytowns gibt es weder eine öffentliche Trinkwasserversorgung noch eine Kanalisation oder Müllabfuhr. Die Bewohner müssen frisches Wasser bei privaten Händlern zu inzwischen überhöhten Preisen kaufen. Die Folge ist ein allzu sparsamer Einsatz und die Missachtung elementarer Hygieneregeln. Zu den Forderungen von MSF an die Regierung gehört deshalb eine kostenlose Trinkwasserversorgung der Slumbewohner. Ohne diese Maßnahme werde die Zahl der Todesfälle in den nächsten Tagen und Wochen dramatisch ansteigen, heißt es in der Pressemitteilung der Organisation. Diese Forderungen waren bereits vor einigen Wochen erhoben worden. Doch die Regierung des Landes, dessen Wirtschaft dank der Entdeckung von Ölvorkommen jährlich um 20 Prozent wächst, hatte bisher keine Notwendigkeit dafür gesehen.
Dies scheint sich langsam zu ändern, seit die Cholera-Epidemie nicht mehr auf die Elendsgebiete von Luanda begrenzt ist. Dort waren im Februar die ersten Fälle beobachtet worden. Inzwischen hat die Epidemie 11 der 18 Provinzen des Landes erfasst. Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Cholera, die Angola bisher erlebt hat. In Luanda habe die Epidemie auf alle Stadtviertel übergegriffen, teilen die MSF mit. Kein Winkel der Stadt werde mehr ausgespart. Jeden Tag erkranken in der Hauptstadt 500 bis 700 Menschen. Die MSF betreiben in Luanda insgesamt 10 Cholerazentren mit einer Gesamtkapazität von 700 Betten. Weitere Zentren gibt es in Benguela, Bengo, Malanje, Bié, Huila, Huambo, Kuanza Norte und Uige. /rme
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