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Ursprung von HIV in Afrika bestätigt

Montag, 29. Mai 2006

Birmingham/Alabama - Ein internationales Forscherteam hat erstmals einen Vorläufer des HI-Virus bei wild lebenden Schimpansen gefunden. Ihr Bericht in Science (2006; doi: 10.1126/science.1126531) beweist, dass Pan troglodytes troglodytes der natürliche Wirt jener Zoonose ist, die sich seit Anfang der 80er-Jahre weltweit ausgebreitet hat und heute weltweit 65 Millionen Menschen erfasst hat. 

Wann sich der erste Mensch mit HIV infizierte, wird man wohl niemals erfahren. Der erste sichere Hinweis des Virus findet sich in einer Blutprobe, die eine nicht mehr identifizierbare männliche Person im Jahr 1959 in Kinshasa, der Hauptstadt der damaligen Kolonie Belgisch-Kongo, im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie abgegeben hat. Dass dieser Mensch der erste HIV-Infizierte war, erscheint den Forschern heute unwahrscheinlich. Ganz ausgeschlossen ist, dass die erste Infektion in einer urbanen Umgebung erfolgte, denn Schimpansen leben in ihrer natürlichen Umgebung fern von menschlichen Siedlungen. Die Forschung schätzt, dass ein Mensch sich schätzungsweise vor 75 Jahren in den Regenwäldern des südlichen Kamerun, Gabuns oder auch der Republik Kongo infizierte und die Seuche später nach Kinshasa trug, wo sie sich in der urbanen Umgebung ausbreiten konnte.

Kamerun, Gabuns und die Republik Kongo sind die Heimat von Pan troglodytes troglodytes, also des Schimpansen, in dem man seit längerem das natürliche Reservoir von HIV vermutet. Bei in Gefangenschaft gehaltenen Tieren war  schon seit längerem ein „SIVcpz“-Virus (für Simian Immunodeficiency Virus from chimps) nachgewiesen worden. Beatrice Hahn, eine Virologin der Universität von Alabama in Birmingham begab sich deshalb mit einer Gruppe von Forschern in die Regenwälder des südlichen Kameruns, wo sie zusammen mit einheimischen Jägern Kotreste von Schimpansen in Behältnissen einsammelte, in denen Konservierungstoffe eine Zersetzung verhinderte. An 10 Stellen wurden 599 Kotproben gesammelt. In bis zu 35 Prozent der Proben wiesen die Forscher Antikörper oder Nukleinsäuren des SIVcpz-Virus nach, ein klarer Beweis, dass die Tiere mit dem HIV-Vorläufervirus infiziert waren.

Durch Sequenzanalyse konnten die Forscher die Ursprünge des pandemischen (Gruppe M) und des nichtpandemischen (Gruppe N) HIV-1 auf unterschiedliche Schimpansenpopulationen zurückführen. Damit scheint eindeutig bewiesen, das P. t. troglodytes das natürliche Reservoir des Aids-Virus ist. Die hohe Prävalenz deutet darauf hin, dass die Infektion mit SIVcpz-Virus bei den Tieren nicht zu Aids führt, wie dies auch bei in Gefangenschaft lebenden Schimpansen der Fall ist. Von der Erforschung infizierter Tiere könnten deshalb Impulse zum bessern Verständnis der HIV-Infektion beim Menschen ausgehen. 

Der erste Mensch hat sich vermutlich durch den Verzehr von Affenfleisch infiziert. Als „Buschfleisch“ kommt es hauptsächlich in Afrika auf den Tisch. Nach Schätzungen der Welttierschutzgesellschaft (WSPA) werden allein im Kongobecken jedes Jahr über eine Million Tonnen Buschfleisch vermarktet. Etwa 1 Prozent (20.000 getötete Affen) stammt von Menschenaffen. Der Verzehr von Buschfleisch wird nicht nur von Tierschützern kritisiert, weil er zum Aussterben der Menschenaffen führen könnte. Der Verzehr von Buschfleisch kann auch für den Menschen gefährlich werden. Wegen der genetischen Ähnlichkeit von Affen und Menschen ist die Gefahr einer Infektion durch mit Viren kontamiertes Fleisch gegeben. Solche Zoonosen scheinen keineswegs selten zu sein.

So wiesen US-Forscher bei etwa 1 Prozent aller Dorfbewohner einer urwaldnahen Region im Kamerun Antikörper gegen das Spumaretrovirus SFV nach (Lancet 2004; 363: 932-3), dessen natürliches Reservoir Brazzameerkatze und Mandrill sind. Vor einem Jahr konnten US-Forscher bei Dorfbewohnern im Kamerun, die sich von Affenfleisch ernähren, sogar ein bisher unbekanntes mit HIV entfernt verwandtes Retrovirus nachweisen (PNAS; 2005: 102: 7994-7999), das aller Wahrscheinlichkeit nach über den Verzehr von Buschfleisch erworben wurden. Die Dorfbewohner erkrankten zwar nicht. Eine prinzipielle Gefährdung scheint aber nicht ausgeschlossen zu sein. /rme

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