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Psychisch Kranke fühlen sich europaweit diskriminiert

Donnerstag, 1. Juni 2006

Brüssel- Psychisch kranke Menschen in Europa sind mit der durch ihre Erkrankung bedingten Lebenssituation unzufrieden. Das ergab eine Umfrage bei den Betroffenen in den 25 Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU). Verantwortlich für die Studie zeichnen die gemeinnützige britische Organisation Rethink sowie der Europäische Dachverband der Vereinigungen von Familien psychisch Kranker (EUFAMI). 

Die Betroffenen stoßen nach eigenen Angaben nach wie vor häufig auf Unverständnis für ihre Erkrankung. 64 Prozent der Befragten gaben an, wegen ihrer Erkrankung bereits öffentlich diskriminiert worden zu sein. Unzufrieden sind die meisten zudem mit ihrer Arbeitsplatzsituation. Nur gut ein Drittel der Betroffenen steht in Lohn und Brot. Gleichwohl würden 63 Prozent gerne einem bezahlten Job nachgehen. Auch mit den Behandlungsmöglichkeiten hadern die Patienten: 90 Prozent von ihnen wünschen sich eine Therapie mit weniger Nebenwirkungen.

John Bowis, britischer Abgeordneter der christlich-konservativen Fraktion im Europaparlament, wies darauf hin, dass die Zahl psychisch Kranker in Europa rapide zunimmt. Die am weitesten verbreiteten psychischen Störungen sind nach Angaben der EU-Kommission Depressionen und Angst. Mehr als 27 Prozent aller erwachsenen Europäer leiden Schätzungen der Brüsseler Behörde zufolge mindestens einmal im Leben unter einer psychischen Erkrankung. Bis zum Jahr 2020, so die Hochrechungen, werden Depressionen die zweithäufigste Erkrankung in den modernen Industriestaaten sein.

Die EU will daher gemeinsam mit den Mitgliedsländern eine Strategie zur Förderung der psychischen Gesundheit in Europa entwickeln. Die Kommission fordert unter anderem einheitliche Standards für die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung in der EU. /ps

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