Schwangerschaftskomplikationen und Fehlbildungen auch bei Typ-2 Diabetikerinnen gehäuft
Montag, 19. Juni 2006
London - Da das Manifestationsalter des „Alters-Diabetes“ immer weiter sinkt und das Alter der Gebärenden ansteigt, sind Schwangerschaften von Frauen mit Typ-2-Diabetes mellitus keine Ausnahme mehr. Nach einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2006; doi:10.1136/bmj.38856.692986.AE) muss bei diesen Patientinnen mit neonatalen Komplikationen und Fehlbildungen gerechnet werden. Die Rate war ebenso hoch wie bei Frauen mit Typ-1-Diabetes mellitus.
Die „Confidential Enquiry into Maternal and Child Health (CEMACH)“, eine Initiative verschiedener Fachgesellschaften mit Sitz in London, stellt der Versorgung von britischen Diabetikerinnen kein gutes Zeugnis aus. Alle Leitlinien fordern, dass der Blutzucker in der Schwangerschaft gut eingestellt werden sollte. Doch während es den Ärzten in den Niederlanden (nach den Ergebnissen einer anderen Studie) gelingt, den HbA1c im ersten Trimenon unter 7 Prozent zu halten, wird dieses Ziel von britischen Ärzten nur bei 37 Prozent der Diabetikerinnen ereicht. Der Durchschnitts-HbA1c lag sogar nur bei 8 Prozent. Dass eine bessere Einstellung des Blutzuckers die Zahl der Fehlbildungen gesenkt hätte, lässt sich allerdings nicht aus den Ergebnissen schließen, welche die medizinische Direktorin des CEMACH, Mary Macintosh, London, vorstellt. Die Mütter von Kindern mit Fehlbildungen hatten einen gleich hohen HBA1c wie die Mütter von Kindern ohne Fehlbildungen.
Feststellen lässt sich: Der Typ-2-Diabetes mellitus bei Schwangeren wird immer häufiger. Bereits 652 von 2.359 während eines Jahres von CEMACH registrierte Schwangerschaften von Diabetikerinnen in England, Wales und Nordirland entfielen auf den „Alterstyp“. Er war bei den Frauen im Durchschnitt im Alter von 29 Jahren diagnostiziert worden. Während der Schwangerschaft waren die Frauen im Durchschnitt 34 Jahre alt. Die Typ-2-Diabetikerinnen gehörten zur Hälfte ethischen Minderheiten an (wobei ein Anteil von 16 Prozent bei Frauen aus Pakistan auffällt) und sie stammten zur Hälfte aus den ärmeren Gegenden (Deprivationsindex 5). Dies entspricht der verbreiteten Ansichten, wonach ein Typ-2-Diabetes mellitus nicht nur, aber auch ein Phänomen von Minderheiten und sozial Benachteiligten ist.
Die perinatale Sterblichkeit betrug 31,7/1000 Geburten, wenn die Mütter einen Typ-1-Diabetes mellitus hatten und 32,3/1000 Geburten bei Typ-2-Diabetikerinnen. Diese Zahlen sind viermal höher als die durchschnittliche perinatale Sterblichkeit in England, Wales und Nordirland (Schottland war nicht beteiligt).
Fehlbildungen findet man bei Kindern von Diabetikerinnen doppelt so häufig wie bei Kindern von Nicht-Diabetikerinnen. Für den Typ-1-Diabetes mellitus wurde eine Rate von 48/1.000 Geburten und für den Typ-2-Diabetes mellitus eine Rate von 43/1.000 Geburten ermittelt. In erster Linie kommt es zu Herzfehlern und Entwicklungsstörungen des Zentralnervensystems. Die Autoren fordern, dass die Kinder schon vor der Geburt auf Herzfehler gescreent werden sollten. Die Neuralrohrdefekte ließen sich möglicherweise durch eine intensivierte Folsäuregabe vermeiden, hoffen sie. Doch ob sich die Rate der Neuralrohrdefekte durch eine Erhöhung der Folsäuredosis vermeiden ließen, müsste streng genommen erst noch durch ein randomisierte kontrollierte Studie geprüft werden. /rme
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