Medizin

Reproduktionsmedizin: ICSI-Kinder im Alter von 8 wohlauf

Dienstag, 20. Juni 2006

Prag - Kinder, die mit Hilfe der intrazytoplasmischen Spermieninjektion (ICSI) gezeugt wurden, haben eine normale kindliche Entwicklung. Bei der ersten Gruppe von ICSI-Kindern wurden allerdings überdurchschnittlich häufig schwere Fehlbildungen diagnostiziert, wie jetzt auf der Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Prag bekannt gegeben wurde.

Die ICSI ist die am meisten umstrittene Form der künstlichen Befruchtung. Bei ihr wird ein Spermium des Mannes direkt in die Eizelle injiziert. Diese Art der Befruchtung war nach 1991, als zum ersten Mal an der Freien Universität Brüssel durchgeführt wurde, sehr umstritten. Befürchtet wurde eine Zunahme von Fehlbildungen, die auch in der Gruppe der ersten 150 Kinder nachweisbar ist, die in Brüssel per ICSI gezeugt wurden. Wie die Pädiaterin Florence Belva jetzt in Prag mitteilte, kommt es häufiger zu schweren Fehlbildungen, die eine funktionelle Behinderung darstellen und/oder chirurgisch korrigiert werden müssen.

Als Beispiele nannte Belva die Dextrokardie, große Naevi flammeus, angeborene Leistenhernien, Strabismus und Fehlbildungen am Ureter. Derartige Fehlbildungen wurden immerhin bei 15 der 150 Kinder (10 Prozent) diagnostiziert im Vergleich zu 3,3 Prozent in einer Vergleichsgruppe natürlich gezeugter Kinder. Möglicherweise sind diese Zahlen aber zu hoch gegriffen. Der drängende Kinderwunsch, welcher der ICSI vorausging und die Medizinalisierung der Kinder ab dem Zeitpunkt der Zeugung können leicht dazu führen, dass die Kinder bei der Geburt intensiver untersucht werden als andere.

Deshalb ließen die Brüsseler Mediziner ihre Krankenakten von einer anderen Forschungsgruppe aus Australien überprüfen, denen nicht mitgeteilt wurde, ob die Kinder per ICSI oder ohne reproduktionsmedizinische Unterstützung gezeugt wurden. Die Rate der schweren Fehlbildungen sank bei den ICSI-Kindern auf 4 Prozent, die der Vergleichsgruppe aber auf 0 Prozent, sodass weiter von einer gewissen Häufung gesprochen werden kann. Leichte Fehlbildungen (Ohrform, Lidfalte oder Zehenstellung) waren in beiden Gruppen gleich häufig. 

Die kindliche Entwicklung der ISCI-Kinder hat jedoch nicht gelitten. Die untersuchte Kohorte ist mittlerweile im Durchschnitt 8 Jahre alt und in ihrer körperlichen Entwicklung sind die Kinder genauso weit wie die Vergleichsgruppe. Belva geht davon aus, dass die Häufung der Fehlbildungen nicht Folge der ICSI-Technik ist, sondern mit dem genetischen Hintergrund der Väter zusammenhängt. Tatsächlich geht eine Reihe von genetischen Defekten mit einer männlichen Unfruchtbarkeit einher. ICSI ermöglicht es diesen Männern erstmals sich fortzupflanzen und damit ihre eigenen genetischen Merkmale weiterzuvererben. /rme

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