Medizin

JAMA: Erneuter Verstoß gegen das Offenlegen von Interessenskonflikten

Donnerstag, 13. Juli 2006

Chicago - Das amerikanische Ärzteblatt (JAMA) will die Vorschriften verschärfen, die von Autoren das Offenlegen von Interessenskonflikten vorsieht. Anlass ist der zweite Verstoß gegen die bisherigen Regeln innerhalb von zwei Monaten. 

Im Februar hatte eine Gruppe von 13 Autoren eine „prospektive naturalistische“ Untersuchung publiziert, nach der Frauen mit Major-Depression, die ihre Medikamente aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Reuptake Inhibitoren (SSRI) während einer Schwangerschaft absetzen, ein schweres Rezidiv riskieren (JAMA 2006; 295: 499-507). Auch an dieser Stelle wurde über diese Studie berichtet, die einen häufigen Rat von Pädiatern infrage stellt. Diese befürchten negative Auswirkung der SSRI auf den Feten. Diskutiert wird ein „SSRI-Entzug“ oder sogar eine erhöhte Rate von Totgeburten. Auch hierüber wurde hier berichtet, wie in diesem Zusammenhang auch erwähnenswert bleibt, dass die amerikanische Arzneibehörde FDA im letzten Jahr einen Dear Doctor Letter veranlasste, in dem auf eine erhöhte Rate von kardiovaskulären Fehlbildungen nach der Exposition mit Paroxetin hingewiesen wurde. 

Jetzt publizieren die Autoren der JAMA-Studie eine Korrektur, in der die meisten der 13 Autoren Interessenskonflikte mit einer Reihe von SSRI-Hersteller „nachmelden“ (JAMA 2006; 295: 170). In der Originalpublikation hatten nur zwei Autoren den Vorschriften entsprochen. Der Leitautor Lee Cohen vom Massachusetts General Hospital (MGH) räumt jetzt ein, von acht unterschiedlichen Firmen Zuschüsse für Forschungen erhalten zu haben oder als Redner oder Berater tätig gewesen zu sein.

In einem Leserbrief betont er, dass diese engen Verbindungen keinen Einfluss auf Anlass und Ergebnisse seiner Studie gehabt hätten. Andere Wissenschaftler melden in Leserbriefen dagegen methodologische Zweifel an der Studie an (JAMA 2006; 296: 165-167). Die Herausgeber von JAMA wundern sich über so viel Chuzpe von Cohen et al. und kündigen eine Verschärfung der Regeln an. Demnächst sollen die Autoren nicht nur alle Verträge und Honorare der letzten 5 Jahren offen legen, sondern auch auf für die Zukunft geplante Kooperationen hinweisen, teilt die Chefredakteurin Catherine DeAngelis mit (JAMA 2006; 296: 220-21). /rme

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