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Übergewichtige Teenager sterben früher – Sibutramin reduziert BMI in kontrollierter Studie

Dienstag, 18. Juli 2006

Boston - Nach den Ergebnissen der Nurses' Health Study II erhöht Übergewicht im Teenageralter das Sterberisiko im Erwachsenenalter. In einer randomisierten kontrollierten Studie konnte durch Sibutramin eine mäßige Gewichtsreduktion erzielt werden, doch nicht alle Teenager blieben bei der Stange.

Jeder sechste Teenager in den USA ist übergewichtig und auch in Deutschland sieht man immer häufiger Jugendliche mit Gewichtsproblemen, die auch in diesen jungen Jahren ernst genommen werden müssen, wie der Ernährungswissenschaftler Rob van Dam von der Harvard Universität in einer Analyse der Nurses' Health Study II in den Annals of Internal Medicine (AIM 2006; 145: 91-97) zeigt.

Die US-Krankenschwestern waren zum Zeitpunkt der ersten Interviews zwar bereits 22 bis 44 Jahre alt. Sie wurden aber nach ihrem Gewicht im Alter von 18 Jahren befragt. Viele Krankenschwestern waren bereits zu diesem Zeitpunkt übergewichtig, was sie einer ungesunden Lebensweise mit zu vielen Kalorien und zu wenig Bewegung verdankten. In den ersten 18 Jahren der prospektiven Beobachtungsstudie starben 710 der 102.400 Teilnehmerinnen. Von Dam kann zeigen, dass das Sterberisiko eindeutig mit dem Bodymass-Index (BMI) korreliert. Bei einem BMI von 22,0 bis 24,9 ist das Sterberisiko bereits um 18 Prozent erhöht, bei einem BMI von 25,0 bis 29,9 stieg es um 66 Prozent und bei einem BMI von über 30 war es sogar um den Faktor 2,79 erhöht.

Als Erklärung bietet sich die hohe Zahl von Suiziden in der Studie an. 61 Frauen nahmen sich das Leben. Die Gesamtzahl der nicht natürlichen Todesfälle betrug 144. Auffällig ist die hohe Zahl von Krebserkrankungen (258 Frauen), während die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle, die man leichter mit dem Übergewicht in Verbindung bringen würde, mit 55 Fällen eher gering ist. Die Autoren machen jedoch keine Aussagen darüber, welche Todesarten mit einem erhöhten BMI assoziiert waren, sodass die unmittelbaren Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit offen bleiben. 

Die Zahlen zeigen, dass Übergewicht im Teenageralter ein ernstzunehmendes gesundheitliches Problem ist, das sich allerdings nicht einfach durch die Einnahme von Medikamenten lösen lässt, wie die Ergebnisse der Sibutramine Adolescent Study in den Annals of Internal Medicine (2006; 145: 81-90) zeigen. An der Studie beteiligten sich an 33 US-Zentren 498 extrem übergewichtige Jugendliche. Im Alter von 12 bis 16 Jahren brachten sie im Durchschnitt 215 Pfund auf die Waage. Ihr BMI befand sich damit jenseits der 97. Perzentile ihres Alters.

Alle Teilnehmer erhielten eine Verhaltenstherapie. Sie wurden angewiesen, ihre Ernährungsgewohnheiten stärker zu beobachten, sollten weniger essen und sich mehr bewegen. Es gab Hilfen zur Stressvermeidung, zur Stimuluskontrolle und zur Bewältigung von Problemen ohne den Griff zu Schokoriegel oder Kartoffelchips. Genutzt hat dies wenig, denn im Kontrollarm der Studie, in der ausschließlich Verhaltensregeln aufgestellt wurden, nahmen die Kinder im ersten Jahr im Durchschnitt noch weitere 4 Pfund zu. Die anderen Kinder, deren Tabletten kein Placebo, sondern das Abmagerungsmittel Sibutramin enthielten, gelang es den Kindern im Durchschnitt 14 Pfund abzunehmen. Der BMI wurde um 9,4 Prozent reduziert, was in etwa den Ergebnissen bei Erwachsenen entspricht. Jedes sechste Kind (16,7 Prozent) erreichte das 95. Perzentil der alterstypischen BMI-Kurve, jedes dritte Kind lag nur noch maximal zwei BMI-Einheiten darüber, was Robert Berkowitz von der Kinderklinik in Philadelphia und Mitarbeiter als Erfolg verbuchen, zumal sich auch die Lipidwerte und die Insulinsensitivität unter der Therapie verbesserten. 

Doch die Zahl der Studienabbrecher war hoch. Jeder vierte Teilnehmer des Sibutramin-Arms (und jeder dritte im Placeboarm) stieg vor Ablauf der 12 Monate dauernden Studie aus. Zu bedenken ist auch, dass die Therapie nicht ohne Nebenwirkungen ist. So kam es unter Sibutramin bei 12,5 Prozent der Jugendlichen zu einer Tachykardie (6,2 Prozent im Placebo-Arm). Die regelmäßige Kontrolle von Puls und Blutdruck gehört deshalb zu den notwendigen Begleituntersuchungen der Therapie, die bislang weder in den USA noch in Deutschland für Jugendliche zugelassen ist, mangels ausreichender Erfahrungen aus klinischen Studien wie es in der Fachinformation heißt. 

Es stellt sich zudem die Frage, ob die Jugendlichen nach dem Ende der Sibutraminbehandlung ihr Gewicht wirklich halten können. Um eine Änderung ihres Lebensstils werden die Jugendlichen wohl nicht herumkommen, denn die Therapie mit Sibutramin ist laut Zulassungsbedingungen auf 1 Jahr begrenzt. /rme 

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